Vorträge im 1. Halbjahr 2021

Handel, Mission und Straßennamen – Koloniale Spuren im Wuppertal

Vortrag am 11. Februar 2021, 19.00 Uhr, Bergische VHS, Auer Schulstraße 22

Rassismus und Kolonialismus gehören untrennbar zusammen. Der Vortrag widmet sich anhand von ausgesuchten Beispielen der kolonialen Vergangenheit des Wuppertals und diskutiert, welche Rolle diese Spuren im heutigen Zusammenleben spielen.

Benin – Wie die Briten ein westafrikanisches Königreich erobern

Vortrag am 11. März 2021, 19.00 Uhr, Bergische VHS, Auer Schulstraße 22

Im Zuge der Restitutionsdebatte wird immer wieder über die Berliner Benin-Bronzen berichtet. Zeit sich mit diesen Bronzen, ihrer Herkunft, ihrer ästhetischen Qualität und ihrem Schicksal zu beschäftigen. Anhand der Eroberung von Benin-City (Nigeria) 1897 durch britische Truppen soll ein Bild dieser Objekte und der Diskussion darum gezeichnet werden.


Am Senegal Europäisch-afrikanische Entdeckungsgeschichten im späten Mittelalter

Vortrag am 22. April 2021, 19.00 Uhr, Bergische VHS, Auer Schulstraße 22

Die Geschichte der Welt änderte sich im 15. Jahrhundert – nicht nur durch die Entdeckung Amerikas, auch durch den Beginn der Handelsbeziehungen zwischen Europa und den afrikanischen Gebieten südlich des Mittelmeerraumes. Durch die für die damalige Zeit kühnen Pläne des portugiesischen Prinzen Heinrich des Seefahrers segelten Schiffe im Auftrag der portugiesischen Krone die westafrikanische Küste entlang, um Handelskontakte zu knüpfen. Welche Waren dabei verkauft wurden und wie sich die europäisch-afrikanischen Verhältnisse dabei entwickelten, möchte der Vortrag aufzeigen.


Bedingt durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie finden die Veranstaltung ggf. online statt.

Akademie am 9. Oktober 2020, 17.00 Uhr | Willi Müller: Die Umsegelung Afrikas durch phönizische Schiffer um das Jahr 600 v. Chr.

FREITAG, 9. OKTOBER, 17.00 UHR BIS CA. 18.00 UHR: SENIORENRESIDENZ LAURENTIUSPLATZ, AUER SCHULSTR. 12, JAGDZIMMER

Der griechische Historiograph Herodot ist es, der in einer sehr kurzen Passage seiner neun Bücher Geschichte davon erzählt, dass es unter Pharao Necho eine Afrikaumsegelung von Phöniziern gab.

Der Lehrer Willi Müller nahm sich dieser kurzen Passage vor rund 100 Jahren an und schrieb ein Buch über diese Umsegelung, in der er probierte durch die Bedingungen von Wind und Landwirtschaft die Aussage Herodots zu belegen, die äußerst umstritten ist.

Wir wollen uns dieser antiker Entdeckungsreise in Auszügen widmen und sehen, ob Müllers Beweisführung standhält.

Grundlage: Willi Müller: Die Umsegelung Afrikas durch phönizische Schiffer im Jahre 600 v. Chr. Geb., Max Babienzien, vergriffen, nur antiquarisch zu bekommen.

Hier finden Sie den Link zur virtuellen Afrika-Akademie:

Akademie am 12. Juni 2020, 17.00 Uhr | Susanne Götze: Uganda – Der Baum, mein Feind

FREITAG, 12. Juni, 17.00 UHR BIS CA. 18.00 UHR: Hier gibt es das Video:

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wo eigentlich die ganzen Bäume gepflanzt werden, die man braucht, um den westlichen CO2-Austausch auszugleichen, etwa für eine Busreise oder wenn Sie mit dem Flugzeug unterwegs sind? Nein? Susanne Götze zeigt in ihrem Buch „Land unter im Paradies. Reportagen aus dem Menschenzeitalter“ auf, welche Konsequenzen der westliche Lebensstil auf die so genannte dritte Welt hat. Bei einer Reise nach Uganda entdeckte sie dichte Kiefernwälder und beschreibt die Probleme der ugandischen Bauern mit diesen europäischen Eindringlingen nachvollziehbar.
Grundlage des Textes ist das genannte Buch von Götze und das entsprechende betitelte Kapitel daraus. Es ist im Oekom-Verlag erschienen und kostet 16 €uro.

Akademie am 11. Dezember 2020, 17.00 Uhr | Ewald Frie: Kairo – Megacity des 21. Jahrhundert

MUSS LEIDER AUSFALLEN

Ewald Frie, Historiker aus Tübingen, veröffentlichte 2017 eine Weltgeschichte für junge Leser. Darin reist er an bestimmte Orte auf verschiedenen Kontinente durch die Geschichte von den Anfängen bis heute. Das vorletzte Kapitel behandelt Kairo, die größte Stadt Afrikas, als Megacity, die vor einigen Herausforderungen im 21. Jahrhundert steht.

Wir lesen uns das Kapitel gut durch und schauen, ob der Historiker auch über die Gegenwart schreiben kann.

Grundlage: Ewald Frie, Die Geschichte der Welt, C.H. Beck, 28,- €.

Akademie am 14. August 2020, 17.00 Uhr | Kum’a Ndumbe III: „Neun wurden erhängt, gleichzeitig“

FREITAG, 14. August, 17.00 UHR BIS CA. 18.00 UHR: SENIORENRESIDENZ LAURENTIUSPLATZ, AUER SCHULSTR. 12, JAGDZIMMER

Der Kameruner Historiker Kum’a Ndumbe III. fand vor einigen Jahren Tonaufnahmen, die vor etwa 40 Jahren aus einem Projekt zur Geschichte des Kolonialismus entstanden sind. Er hat diese restauriert, digitalisiert ins Deutsche übersetzt und als Buch veröffentlicht.

Eine dieser Aufnahmen stammt von Papa Omog Thomas Franz, die er 1985 als 89jähriger Zeitzeuge der deutschen Kolonialherrschaft einspielte. So wird die andere Seite des deutschen Kolonialismus in Kamerun sichtbar.

Wir werden uns gemeinsam durch eine kurze Auswahl des Interviews mit Papa Omog arbeiten und dabei Erstaunliches lernen.

Grundlage: Kum’a Ndumbe III. (Hrsg.): Neun wurden erhängt, gleichzeitig … so ist das hier! Gesagt, getan!. AfricAvenir Editions, 24,90 €.

Zurück(ge)geben? Über die Restitutionsdebatte in europäischen Debatten

Es rumort in den europäischen Museen. Egal ob Regionalmuseum, kirchliche Einrichtung oder weltberühmte Institution, in Zuge des so genannten post-colonioal turns in den Kulturwissenschaften werden Museen in Europa und auch den USA genau untersucht und manchmal zum Handeln aufgefordert.

Worum geht es dabei? Ein Beispiel aus Wuppertal erklärt dieses vielleicht ganz gut. Bis vor einigen Jahren hatte Wuppertal noch ein Völkerkundemuseum. Es stand auf der Hardt und zeigte Realilta, die von den Missionaren der ehemaligen Rheinischen sowie der Bethel-Mission gesammelt worden waren. Wenn sie heute nach diesem Museum im Internet suchen, werden Sie nicht fündig werden. Heute firmiert es unter dem Namen Museum auf der Hardt.

Was ist der Grund dafür? Zum einen gibt es einen internen Grund der Vereinigten Evangelischen Mission, der VEM, wie die Nachfolgerin der beiden zuvor genannten Missionsgesellschaften heißt, zum anderen aber auch einen von außen beeinflussten. Der interne Grund hat mit der Struktur der heutigen VEM zu tun. Waren die Missionsgesellschaften im 19. Jahrhundert mit dem Anspruch gegründet worden, das Christentum in die Regionen der Welt zu schicken, wo es dieses noch nicht gab, so ist die Aufgabe der VEM heute die Vernetzung zwischen verschiedenen Kirchen in Asien, Afrika und Europa. Im Zuge dieser Änderung sind alle Mitgliedskirchen der VEM gleichberechtigt, wenn es um Entscheidungen geht. Dazu gehört auch die Namensvergabe der Museen. So kam innerhalb der Leitungsgremien der Mitgliedskirchen aus Afrika und Asien die Idee auf, dass der Begriff Völkerkunde einen kolonialen Anspruch habe, denn dort werde eben die Geschichte der Menschen in den Mitgliedskirchen aus Afrika und Asien gezeigt, und unbeabsichtigt auch zur Schau gestellt. Der neutrale Name Museum auf der Hardt war schließlich das Ergebnis einer langen Diskussion, in der man sich nicht auf einen anderen Namen einigen konnte.

Aber warum gab es innerhalb der Mitgliedskirchen überhaupt die Überlegung, das Museum umzubenennen? Damit kommen wir zum äußeren Beweggrund der Umbenennung. Denn das VEM-Museum ist mit seiner Idee bei weitem nicht alleine. Hamburg, München und andere Städte sind diesen Schritt bereits gegangen oder diskutieren noch über Alternativen. Bereits 2001 war Frankfurt etwa dazu übergegangen von einem Museum der Weltkulturen zu sprechen.

Wie kam es dazu und was hat das eigentlich mit unserem Thema zu tun? Es war der Philosoph Hegel, der dem afrikanischen Kontinent zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit einigen Ausnahmen eine Geschichtslosigkeit unterstellte, die von anderen auch in Asien, Australien und Amerika gesehen wurde. Einzig Europa verfüge, so die Annahme, über ein kulturelles Gedächtnis und somit über Entwicklungsstufen. Als die Europäer dann in die anderen Regionen der Welt reisten und dort mit den Anderen in Kontakt traten, erkannten sie, dass man im Verhalten dieser Kulturen oftmals diese europäischen Entwicklungsstufen sehen könne und es ihre Pflicht sei, denjenigen Völkern, die den Stand Europas noch nicht erreicht hätten, dabei zu helfen, dorthin zu kommen. Andere wiederum schienen diese Unterentwicklung dafür nutzen zu wollen, eigenen Profit zu machen, sich selbst ins Rampenlicht zu stellen oder schlicht ein besseres Leben für sich in Anspruch zu nehmen.

Für lange Zeit war diese Ansicht Usus. Es gab hoch entwickelte Länder und weniger entwickelte Länder. Ein ganzer Zweig der Außenpolitik wurde danach benannt: die Entwicklungshilfe. Diese Geldzahlungen zum Zwecke der positiven Entwicklung sind bis heute gegeben, wurden aber mittlerweile auch in wirtschaftliche Zusammenarbeit umbenannt.

Dieser Entwicklungsbegriff aber wird immer mehr infrage gestellt. Spätestens mit der Dekolonisierung Afrikas waren die neugegründeten Staaten, etwa Kongo, Ghana oder Kenia damit beschäftigt, ihre eigene Kultur und Geschichte neu zu entdecken. Auch hier wird dies an den Umbenennungen von Ländern deutlich. Die Goldküste wurde zu Ghana und schloss so an ein längst vergangenes Reich Westafrikas an, ähnliches galt für Benin, Mali oder das Land Simbabwe, das sich in den 1980ern neu gründete. Sie alle griffen auf ihre eigene Geschichte zurück, um sich von Europa auch gedanklich unabhängig zu machen.

Und was passierte in Europa? Abgesehen von einigen Ausnahmen, geschah nichts. Die Geschichtslosigkeit Afrikas wurde weiterhin als Standard angenommen. Hilfsorganisationen und Medien verbreiteten weiterhin Bilder von den Hilfe bedürftigen Afrikanern, ganz undifferneziert. Afrika als ein Land, nicht als Kontinent, das ist bis heute in den Köpfen der Menschen. Ohne Hilfe von außen seien diese Länder eben nicht in der Lage, allein zu agieren, so die weit verbreitete Meinung.

Dass diese Bilder falsch sind, ist offenkundig. Seit der Zeit der Dekolonisierung hat sich innerhalb vieler afrikanischer Länder auch ein Bewusstsein dafür gebildet, dass die Phase der Kolonisierung durch europäische Staaten eben nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine kulturelle Ausbeutung war. Dabei geht es um Kunstgegenstände aber auch um Knochen und menschliche Überreste, die im wissenschaftlichen Kontext genutzt wurden.

Zusammen mit Wissenschaftler und Aktivisten aus Europa und den USA wurde und wird darauf hin gearbeitet, dass auch in Europa und den Vereinigten Staaten dieses Bewusstsein in das Denken der Menschen eindringt. Es bgann mit Büchern, Rezensionen, Artikeln und sprang dann auch auf die Museen über. Diese zeigten erst Ausstellungen, benannten sich dann um, und stehen nun vor der großen Aufgabe der Resitution, der Rückgabe von Gegenständen, die innerhalb eines Unrechtssystems an die Museen gegeben wurden oder erworben worden sind.

Das Wort Restitution selber ist dabei interessant, denn eigentlich wird es vor allem im Kontext der NS-Raubkunst genutzt. Kunstwerke, die sich die Nazis kriegsbedingt oder durch Enteignung jüdischer Besitzer, aneigneten, wurden und werden mittlerweile weltweit an die Familien der Ursprungsbesitzer zurückgegeben, wenn die Provenienz eindeutig geklärt wurde.

Dass Gegenstände, die durch Unrecht in den Besitz anderer gelangt sind, an den eigentlichen Eigentümer zurückgegeben werden, ist ein einfaches Prinzip. Der Beklaute möchte sein Eigentum gerne zurückhaben. Ist der Dieb gefasst und verurteilt, passiert das in der Regel auch oder es gibt eine Entschädigung. An diesem Prinzip gibt es nur ein Problem: Was passiert, wenn der Dieb das Eigentum verkauft, der neue Besitzer sich des Diebstahls aber gar nicht bewusst ist, den neuen Gegenstand lieb gewinnt, weil es ein Geschenk der verstorbenen Oma war oder eine schöne Überraschung zum Geburtstag? Plötzlich hat der gestohlene Gegenstand zwei Menschen, denen er gehört, oder juristisch besser ausgedrückt: Er hat einen Besitzer und einen Eigentümer und beide sind nicht die gleiche Person. Was tun?

Und damit sind wir mitten in der Diskussion über die Restitution. Grob zusammengefasst gibt es dabei zwei Seiten. Die französische Kunsthistorikerin Benedicte Savoy auf der einen und den deutschen Kunsthistoriker Horst Bredekamp auf der anderen. Savoy fordert die prinzipielle Rückgabe aller Kunstgegenstände, die zur Zeit des Kolonialismus an europäische Museen gegangen sind, Bredekamp möchte zwar einzelne Kunstgegenstände zurückgeben, sieht aber eine Gefahr darin, alles zurückzugeben.

Wie kommt das? Es hat mit zwei simplen Fragen zu tun. Zum einen der Frage, ob der Kolonialismus Unrecht war, zum anderen damit, ob all diejenigen, die Museen bestückt haben, eine böse, unrechte Intention hatten, als sie dies taten.

War also der Kolonialismus ein Unrechtssystem? Diese Frage zu beantworten, scheint heute recht einfach: „Ja!“, schreit es aus uns heraus. Sklavenhandel, Rohstoffraub, Genozid, Rassismus. Ja! Das alles war in diesem System möglich und es war Unrecht. Auf der anderen Seite wurde von Seiten der Europäer penibel darauf geachtet, Verträge mit den Einheimischen zu schließen, um Rechtssicherheit zu haben. Politische Allianzen wurden geschlossen und schriftlich festgehalten. Prinzipielle Regeln internationaler Vereinbarungen wurden angewendet, wenn etwas nicht so lief, wie es sollte, Verhandlungen, die sich über Monate hinzogen wurden geführt, um alles in Ruhe und Frieden über die Bühne zu bringen. Ein Unrechtsstaat mit funktionierendem Regelapparat? Ja, das gab es. Auch das Deutschland der NS-Zeit war ein solcher Staat, die USA der Rassentrennung war ein solcher Staat, das Südafrika der Apartheid auch und auch das heutige China funktioniert so ganz ordentlich.

Wie ist das möglich? Zwei Beispiele aus der deutschen Kolonialgeschichte: Wir gehen zurück in das Jahr 1883. Wir befinden uns im südlichen Afrika. Der deutsche Kaufmann Heinrich Vogelsang schließt einen Vertrag mit Jospeh Fredericks ab. Fredericks ist das Oberhaupt einer Gruppe von Mitgliedern der Nama, den so genannten Bethaniern. Sie selbst bezeichnen sich als !Aman. Von ihnen kauft Vogelsang im Namen seines Chefs Adolf Lüderitz ein Stück Land, dass von der Mündung des Oranjeflusses bis zum 26° südlicher Breite reicht und dabei 20 Meilen landeinwärts gehen soll. Für die Nama, die aus dem heutigen Südafrika stammen, bedeuten Meilenangabe dabei vor allem englische Meilen. Dass es auch so etwas wie eine deutsche Meile gibt, wissen sie wohl gar nicht. Das ist deswegen entscheidend, weil die englische Meile genau 1609,344 Metern entspricht, die deutsche aber etwa 7500 Meter. Der Vertrag wurde geschlossen und war gültig. Während die Nama davon ausgingen, dass sie ein Grundstück von 32 Kilometern Tiefe verkauft hätten, vertrat Lüderitz die Meinung, er habe Anspruch auf 150 Kilometer. Um das noch einmal deutlich zu machen: Es ist ein Unterschied, ob Sie mit dem Auto von Wuppertal nach Hagen fahren oder nach Osnabrück. Das ist der Unterschied, über den wir bei diesem Meilenschwindel in etwa sprechen.

Ein solcher Vertrag ist nicht eindeutig, führt zu Problemen und seine Auslegung müsste vor einem Richter entschieden werden. Aber an welchen Richter sollten sich die Nama wenden? Einen deutschen? Einen englischen? 1884 wurde das von Lüderitz erworbene Land deutsches Schutzgebiet und er gab das Land schließlich an die deutsche Gesellschaft für Deutsch-Südwestafrika ab. Nach dem ersten Weltkrieg ging die Kolonie an die Südafrikanische Union und blieb bis 1990 Teil Südafrikas, und damit des Apartheit-Systems. Dann wurde das Land als Namibia unabhängig.

Das zweite Beispiel stammt aus Kamerun. Es ist der 8. August 1914. Die Mobilmachung in den europäischen Staaten läuft. Alles riecht nach Krieg. Doch wir sind in Duala. An diesem Tag kommt es zur Hinrichtung.von Rudolf Duala Manga Bell. Manga Bell stammte aus der Königsdynastie der Bell vom Volk der Duala. Sein Großvater Ndumb’a Lobe, King Bell genannt, hatte 1884 mit den Deutschen einen Vertrag geschlossen, in dem er zwar Land abtrat, aber gleichzeitig darauf bestand, weiterhin selber Handel mit dem Hinterland zu betreiben. Dieser Handel bildete die Grundlage des relativen Wohlstands der Bell. Auch ihre eigenen Häuser und Ländereien sollten die Bell laut Vertrag behalten. Deutlich zeigt sich hier, dass klar von Seiten King Bells erfolgreich verhandelt wurde, ein Zeichen dafür, dass man in Kamerun durchaus verstand, worum es ging.

Sein Enkel Rudolf, in Deutschland ausgebildet, sah, dass von Seiten der deutschen Verwaltung in Kamerun gegen diesen Vertrag verstoßen wurde. So appellierte er in offenen Briefen an den Reichstag und schaffte es mit Hilfe von Journalisten in Deutschland auf das Unrecht in Kamerun aufmerksam zu machen. Die Duala wehrten sich öffentlichkeitswirksam auf rechtlichem Weg zusammen mit anderen Gruppen gegen die vertragswidrige Enteignung. Der deutschen Verwaltung in Kamerun gefiel dies gar nicht und so wurde Manga Bell als Verräter angeklagt. Es sollte auch einen Prozess geben, die deutschen Anwälte hatten bereits Kontakt aufgenommen, doch durch den Krieg wurden diese Bemühungen eingestellt. Es kam zu keinem Prozess und die Hinrichtung wurde umgesetzt.

Zwei Beispiele über Verträge. Beim einen wurde der Vertrag schlicht so formuliert, dass eine Seite benachteiligt wurde, beim anderen wurde der Vertrag nicht eingehalten. Welchen Wert haben solche Verträge und Übereinkünfte, wenn es keine Möglichkeit gibt, einen Verstoß zu ahnden?

Mit diesen Beispielen sollte klar geworden sein, dass man von Seiten der Europäer, denn glauben Sie bitte nicht, die Engländer oder Franzosen hätten anders agiert als die Deutschen, zwar probierte wurde, Legitimität herzustellen, sie de facto aber nicht gegeben war. Dennoch kann man fragen, warum es diese Versuche überhaupt gab? Poltische Allianzen gab es bereits zu Zeiten von Cortez‘ Eroberung Mexikos. Der New Yorker Stadtteil Manhatten wurde den Einheimischen von den Niederländern 1626 abgekauft, die ersten Kontakte zwischen Portugiesen und den indigenen Völkern der westafrikanischen Küste waren Handelsabkommen, wenn auch kaum schriftlich festgehalten.

Es handelt sich also keineswegs um eine Neuerung. Verträge mit anderen abzuschließen, war spätestens seit dem römischen Recht, das in Grundzügen auch noch im Mittelalter Wirksamkeit hatte, Grundlage von Verhandlungen. Das waren tradierte Standards, hinter die man nicht zurück fallen konnte oder wollte – schon gar nicht, wenn man mit den vermeidlich Wilden verhandelte. So wurde der Vertragsabschluss zu einem ersten Versuch, die in den Augen der Europäer unterentwickelten Völker auf ihre Stufe zu stellen.

Der juristische Vertrag ist also ein zwei geteilten Symbol. Zum einen steht er für den Anspruch, Entwicklungshilfe zu geben und gleichzeitig wird die juristische Trickserei bzw. der Bruch des Vertrages zur Abbildung, dass auch die europäische Zivilisation nur genauso weit entwickelt ist, wie der vermeidlich Wilden.

Zweigeteilte symbolische Akte, in denen sich das ganze ambivalente Ausmaß der europäischen Kultur zeigt, fanden sich immer wieder in der Geschichte Europas. Im 19. Jahrhundert kulminierten diese Gegensätze in den ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen in den neu gegründeten Unternehmen einerseits und der öffentlich diskutierten Sozialen Frage, sie fanden sich in den Versuchen demokratischer Revolutionen, die dann doch darin mündeten, einen König haben zu wollen, und in der Tatsache, dass man auf der einen Seite gefeierte Historienmaler hatte und auf der anderen Seite Impressionisten. An den Universitäten entstehen die Fachwissenschaften, während gleichzeitig fahrende Doktoren auf der Schaubühne physikalische und chemische Tricks zeigen, um ein Publikum zu verzaubern, das intellektuell noch in der Vormoderne steckt.

Kann es da verwundern, dass man, während man sich im Zeitalter des Kolonialismus befindet, auch über die Position der vermeidlich Wilden innerhalb des Entwicklungsstadiums, über diese Entwicklung als Ganzes nachdachte, sie komplett infrage stellte und sich schließlich von ihm löste?

Während der koloniale Unrechtsstaat durch die beiden Beispiele von Manga Bell und Adolf Lüderitz deutlich geworden sein soll, soll nun ein anderer zeitgleich stattgefundener Blick auf den Umgang mit dem Fremden geworfen werden. Beispielhaft dafür ist der erste Leiter der Berliner ethnologischen Sammlung Adolf Bastian.

Bastian stammte aus einer Bremer Kaufmannsfamilie, hatte seinen finanziellen Möglichkeiten entsprechend an mehreren deutschen Universitäten unter anderem Rechts- und Naturwissenschaften studiert und wurde zum Arzt promoviert. Diesen Status nutzte er, um als Schiffsarzt an vielen Reisen teilzunehmen, die ihn sowohl in die Karibik als auch Australien, Afrika und Indien brachten. Die dort gesammelten Eindrücke verarbeitete er in seinem Buch Der Mensch in der Geschichte, was ihn zu einem der führenden deutschen Ethnologen machte. Seine wissenschaftlich bedeutendste Leistung dürfte die Entschlüsselung Angkor Wats, des berühmten Tempelkomplexes in Kambodscha gewesen sein, der durch Bastian als hinduistisch und nicht, wie davor angenommen, buddhistisch identifiziert wurde.

1873 wurde er zum Gründungsdirektor des Berliner Völkerkundemuseums. Auch wenn Jahreszahlen manchmal nur grobe Überblicke geben sollen, um Dinge besser einordnen zu können, ist das Jahr hier wichtig. Bastian wurde elf Jahre vor der dem Lüderitz’schen Meilenschwindel zum Gründungsdirektor des ethnologischen Museums, also bevor Deutschland eine Kolonialmacht wurde.

Bastians Anspruch an das Museum wurde von dessen Zeitgenossen Paul Ruben in die Worte „Sammeln, sammeln, sammeln“ gefasst. Das Ergebnis war ein Museum, das Ende des 19. Jahrhunderts weit mehr ethnologische Exponate besaß als das British Museum und daher vollkommen überfrachtet war. Die Grundidee hinter Bastians Konzept waren in Bezug auf die Idee von Entwicklungsstufen der Menschheit revolutionär: Alle Menschen und ihre Kulturen sind gleich bedeutend! Eine Bewertung nach Entwicklungen gibt es nicht. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, brach er mit einem Konzept, das es in den Vorgängereinrichtungen der ethnologischen Sammlung seines Museums gegeben hatte. War man dort besonders darauf aus gewesen, das Kuriose in Szene zu setzen, das Seltene zu nutzen, um Schrecken oder Amüsement hervorzurufen, so war für Bastian eines klar: Wer in einem Museum tatsächlich ein fremdes Volk kennenlernen wollte, der musste nahezu alles über dieses Volk wissen. So forderte er Reisende auf, nicht mehr nach dem Seltenen zu suchen, sondern Alltagsgegenstände zu sammeln, aber nicht nur in ihrer fertigen Form, sondern auch Beispiele ihrer Herstellung, so dass der Prozess ebenso wie das Produkt ausstellbar gemacht wurde. Grund dafür war eben der Wunsch, das Fremde nicht mehr als Kuriosität, sondern als gleichwertig mit der eigenen Kultur anzusehen.

Die Idee Adolf Bastians passt kaum mit den kolonialen Ansprüchen derer zusammen, die zwar Verträge abschlossen, aber dabei tricksten oder diese nie einhalten wollten. Und in diesem Umstand liegt für den Kunsthistoriker Horst Bredekamp das Problem. Bastian steht mit diesem Anspruch nicht alleine, viele Reisende, die Ethnograpica an Museen in Europa schickten, hatten diesen Anspruch einer „liberalen Ethnologie“, wie es Bredekamp am Beispiel des Kunsthistorikers Aby Warburg zeigt. Diesen Menschen koloniale Absichten zu unterstellen, hält er schon deswegen für absurd, weil etwa die ethnologische Sammlung Berlin sich weigerte die Bestände des Kolonialmuseums aufzunehmen, nach dem diese 1899 gegründete Einrichtung, die die Kolonialidee populär machen wollte, bereits 15 Jahre später mangels Erfolg wieder schließen musste. Die Bestände wanderten stattdessen nach Stuttgart. Dennoch: Nach dem Tod Adolf Bastians im Jahre 1905 änderte sich die Sammlungspraxis des Museums in Berlin. Das Koloniale fasste Fuß, nicht nur im Berliner Museum.

In diesem findet sich heute eine Auswahl an Benin-Bronzen. Klar ist, dass diese Bronzen aus Benin-Stadt stammen, einer Stadt im Süden des heutigen Nigeria. Wie genau sie in das Berliner Museum kamen, soll durch ein neues Forschungsprojekt rund um den Hamburger Afrikahistoriker Jürgen Zimmerer, der eine der stärksten und prominentesten Stimmen in der Restitutionsdebatte ist, untersucht werden. Dabei ist der grobe Verlauf der Aneignung längst bekannt, nur die Details liegen noch im Dunkeln.

Am Anfang stand auch hierbei ein Vertrag, der aber noch nicht abgeschlossen war. Britische Gesandte reisten 1896 nach Benin-Stadt, um dort mit dem Oba, dem Oberhaupt der Stadt, ein Handeslabkommen zu schließen, um u.a. Palmöl zu bekommen. Sie hatten nicht bedacht, dass sie an einem Feiertag anreisten, an dem man in Benin-Stadt keine Ausländer empfangen durfte. Diese Verbot war so stark, dass die Gesandtschaft umgebracht wurde, noch bevor sie die Stadt erreichte. In Benin-Stadt war man sich darüber hinaus sehr wohl bewusst, dass Geschäfte mit den Briten durchaus zur Absetzung der bisherigen Ordnung führen könnten. Der Mord an den Gesandten war daher nicht nur wegen des Feiertags eine heilige Pflicht, sondern auch ein Manöver, das abschreckend wirken sollte. Allerdings hatte der Oba und seine Berater komplett falsch kalkuliert. Der Tod der Gesandten wurde von den Briten genutzt, um eine Strafexpedition gegen Benin-Stadt durchzuführen, die im Februar 1897 stattfand. Die britische Navy überfiel die Stadt, vertrieb und töte zahlreiche Menschen und plünderte alles, dem man einem besonderen Wert zu sprach. Dazu gehörten auch die Benin-Bronzen, Darstellungen von Menschen und Gesichtern, die durch ihren Realismus und das filigrane Arbeiten der klassischen europäischen Kunst ebenbürtig sind.

Zahlreiche dieser Objekte finden sich in den Museen Europas, aber kaum in denen Nigerias. Selbst die Popkultur ist sich dieses eigentlich seltsamen Phänomens mittlerweile bewusst geworden. Der 2018 im Kino angelaufene Superhelden-Film Black Panther beginnt mit einer Szene in einem europäischen Museum, wo der Antagonist einen Dialog mit der Museumsführerin darüber führt, wieso diese Kunst in einem europäischen Museum sei, bis er die Vitrine zerstört und die Ausstellungsstücke, bei denen es sich um Artefekte handelt, die er für seinen Plan benötigt, mitnimmt. Dabei fällt dem Film gar nicht auf, dass der Diebstahl aus dem Museum eigentlich ja lediglich eine Rückeroberung dessen ist, was einst auf ähnlich brutale Weise selbst geraubt wurde.

In Berlin finden sich etwa 530 Objekte, davon etwa 440 Bronzen, aus Benin, das British Museum besitzt etwa 900 Objekte.

Dass es hier einen Raub gab, steht außer Frage. Dass dieser Raub im Zuge von kriegerischen Auseinandersetzungen passierte, macht ihn zwar verständlicher, aber nicht unbedingt legal, von der moralischen Seite ganz zu schweigen.

Das Problem ist, dass die Provenienzforschung ein Teilbereich der Museumsarbeit ist, der bisher kaum ausreichend gefördert wurde. Museen haben oft zu wenig Personal und Geld, um ihre oft Jahrhunderte alten Bestände zu überprüfen. Manch ein Kritiker der ganzen Diskussion spricht daher schon davon, dass die Idee der Restitution nur dafür da sein soll, um zahlreichen Kulturwissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, endlich gut bezahlte Stellen zu bekommen.

Nimmt man solche Polemiken zur Seite, bleibt dennoch die traurige Wahrheit, dass Provenienzforschung ein kaum beackertes Feld ist. Deutlich wird das an einem aktuellen Fall, in den die Journalistin Christiane Habermalz involviert ist. Es geht um den Gürtel des Kahimemua. Um dessen Geschichte zu klären, müssen wir erneut nach Namibia, diesmal in die Zeit 10 Jahre nach dem Meilenschwindel. Die Deutschen sind mittlerweile als Schutzmacht und Kolonisatoren etabliert, aber längst nicht alle Einheimischen wollen sich damit abfinden. Darunter befindet sich auch der Anführer der Ovambanderu, Kahimemua Nguvauva. Er wird von den Deutschen als eine Gefahr angesehen und vor ein Kriegsgericht gestellt. Am 12. Juni 1896 wird er standrechtlich erschossen.

Zur Ausrüstung von Kahimemua gehört ein Gürtel, ein Patronengurt, der für ihn und sein Volk eine nahezu sakrale Bedeutung hat und vom Vater an den Sohn weitergegeben wurde. Seit dem Tod des Kahimemua aber ist der Gürtel vermisst. Als Christiane Habermalz diese Geschichte hört beginnt sie zu recherchieren – und wird fündig.

In einem Buch, das den Kolonialismus verherrlichen soll, wird die Hinrichtung des Anführers der Ovambanderu nacherzählt. Einer der Soldaten soll demnach den Gürtel an sich genommen haben. Es handelt sich um den Reserveoffizier und Kaufmann Gustav Voigts, dessen Familie noch heute in Namibia zu den einflussreichen Unternehmern gehört. Voigts stammte aus Braunschweig und hatte nach Aussage des Berichts an das dortige Museum den Gürtel verliehen. Bereits vor Jahren hatte der Archivar der Stadt Windhoek die Passage in dem Buch entdeckt und an das Museum in Braunschweig geschrieben, aber nie eine Antwort erhalten. Als es die Journalisten des Deutschlandfunks probiert, erfährt sie immerhin von einer Karteikarte, die darauf hinweist, dass das Museum im Besitz des Gürtels war. Von ihm selber fehlte aber jede Spur. Aufgeschreckt durch die Arbeit der Journalistin Habermalz ist das Museum aber aufmerksam geworden, die neue Leitung ist für die Restitutionsdebatte sensibilisiert und so passiert etwas Außergewöhnliches: Ein paar Monate später meldet sich das Museum bei Habermalz mit der Nachricht, dass der Gürtel gefunden worden sei, in einer Schublade, falsch deklariert als Gürtel eines südamerikanischen Gouchos. Sicher ist es noch nicht, es stehen noch Untersuchungen aus. Doch die Ovambanderu wollen ihren Gürtel zurück. Es gibt nur ein Problem: Offiziell gehört der Gürtel der Familie Voigts. Es bleibt zu hoffen, dass diese auf den Gürtel verzichtet und ihn seinen rechtmäßigen Eigentümern wieder übergibt.

Ein anderes Beispiel, wieder aus Namibia. Im Jahr 2013 bat die Regierung von Namibia darum, eine sich im Besitz des Lindenmuseums in Stuttgart befindliche Bibel und Peitsche zurückzugeben, die aus dem Besitz des Oberhauptes der Nama stammte. Die Familienbibel und die Peitsche von Hendrik Witbooi waren 1893 bei einem Angriff der deutschen Kolonialtruppen auf dessen Wohnsitz geraubt und im Jahr 1902 dem Museum geschenkt worden.

Nach der Anfrage der namibischen Regierung trat man in Verhandlungen. Denn Ansprüche auf die Bibel hat nicht das Land Namibia, sondern die Familie Witbooi. Diese stimmte aufgrund der Tatsache zu, dass Hendrik Witbooi, den in Namibia nahezu jedes Kind kennt, als wichtige Person der Landesgeschichte gilt, denn Witbooi war eine der Schlüsselfiguren beim Kampf der Herero und Nama gegen die deutsche Kolonialmacht, der 1903 im Genozid an den beiden Völkern gipfelte. Einige Nama-Vertreter wollten die Rückgabe an die namibische Regierung verhindern, was unter anderem damit zusammenhängt, dass sie von der Rolle der nambischen Regierung im Falle der Schadensersatzforderungen an die Bundesrepublik Deutschlands eben wegen des Völkermords enttäuscht sind. So kam es nach dem Ende der Verhandlung zu einem Rechtsstreit, an dessen Ende aber ein Urteil des Landesverfassungsgerichts von Baden-Württemberg stand, dass die Überführung der Exponate nach Namibia anordnete.

Das Beispiel des Gürtels des Kahimemua und auch das Beispiel der Witbooi-Bibel zeigen eines deutlich: Restitution ist ein zähes Geschäft. Zum einen sind die Magazine der Museen übervoll und recht oft schlecht gepflegt. Zum anderen, ist die Eigentümerschaft der Exponate nicht immer klar geregelt.

Um hier Eindeutigkeit zu schaffen, ist der Gesetzgeber gefragt, der ähnlich wie im Falle der von den Nazis enteigneten jüdischen Opfern, klare Regeln schafft – auch wenn es bedeutet, dass die eigenen Museen Dinge abgeben oder neue Verträge schließen müssen.

Dass die Politik das Problem erkannt hat, ist offenkundig. Wie ein Paukenschlag trat dies zutage als am 28. November 2017 der französische Staatspresident Emmanuel Macron an der Universität Ougadougou in Burkina Faso sprach. Gegen Ende seiner Rede sprach er den Satz, den die Studenten und andere Zuhörer in Aufregung versetzte: „Je veux que d’ici cinq ans les conditions soient réunies pour des restitutions temporaires ou définitives du patrimoine africain en Afrique“.

Oder auf Deutsch: „Ich möchte, dass innerhalb von fünf Jahren die Bedingungen für eine vorübergehende oder dauerhafte Rückgabe des afrikanischen Erbes in Afrika erfüllt sind.“

Um diese Aufgabe anzugehen, bat er zwei Experten um Hilfe. Zum einen Falwin Sarr, einen der bedeutendsten Intellektuellen des frankophonen Afrikas und die bereits erwähnte Benedicte Savoy, Kunsthistorikerin und Restitutionsaktivistin.

Nach etwa einem Jahr legten beide einen Bericht vor, der Macrons Idee umsetzen sollte. Dieser Bericht ist mittlerweile auch auf Deutsch erschienen. Savoy und Sarr sprechen sich für eine zügige Restitution aus. Verbleiben sollen in den französischen Museen nur solche Stücke, die infolge einer einvernehmlichen Transaktion dorthin gelangt sind und solche, die kein „ethisches Risiko“ im Sinne der UNESCO-Übereinkunft von 1970 darstellen. Die von den beiden Autoren geforderte zügige Restitution soll in drei Fällen ohne Provenienzforschung stattfinden. Es geht zum einen Exponate, die durch kriegerische Handlungen in den Besitz genommen wurden, was etwa bei den Benin-Bronzen der Fall ist, es gilt zum anderen für Exponate, die durch Schenkungen von militärischem oder Verwaltungspersonal in den Besitz der Museen geraten sind, wie der Gürtel der Ovambanderu, und zum dritten geht es um alle Exponate, die durch wissenschaftliche Forschungsexpeditionen vor 1960 in die Museen gelangt sind. Während man bei den zwei ersten auf unbeschränkte Zustimmung hoffen kann, ist der letzte Punkt etwas, was etwa Horst Bredekamp mit Verweis auf Adolf Bastian und die liberale Ethnologie auf jeden Fall einschränken würde.

Nun meinen Savoy und Sarr mit wissenschaftlichen Expeditionen, solche, die zwischen den beiden Weltkriegen stattfanden. Denn in diesem Zeitraum nahmen die ethnologischen Expeditionen zu. Ob dabei tatsächlich das Forschungsinteresse im Fokus stand, wird von beiden mit guten Gründen angezweifelt. Doch eine Rückgabe aller Exponate, die vor 1960 auf wissenschaftlichen Expeditionen eingesammelt wurden, scheint ohne Provenienzforschung kaum möglich. Ein über 200 Jahre altes Objekt lässt sich oftmals gar nicht richtig zuordnen, wie sich etwa bereits am Fall des Gürtels aus Namibia gezeigt hat, der gerade einmal über 100 Jahre im Besitz des Museums war.

Es kann daher nicht verwundern, dass die Umsetzung des Berichts von Sarr und Savoy mit solchen Foderungen auf sich warten lässt, denn auch ein Jahr nach der Übergabe dieses Berichts ist nichts passiert. Savoy führt dies in einem öffentlichen, im Internet abrufbaren Vortrag an der Universität Hamburg auch auf die Probleme zurück, die das französische Kulturministerium durch die Beschädigung öffentlicher Kunstwerke durch die Gelbwestenbewegung und nicht zuletzt durch den Brand der Kathedrale von Notre Dame de Paris gehabt hat. Es fehlt hier schlicht an Personal und Ressourcen für die Umsetzung des Berichts.

Meines Erachtens liegt die fehlende Umsetzung an der Radikalität des Berichts. Mir ist schleierhaft, wie Macron Savoy und Sarr diese Aufgabe übergeben konnte, denn beide sind dafür bekannt, die Restititution radikal umsetzen zu wollen. Ihre Ergebnisse haben das Kulturministerium in Paris aber sicherlich auch überrascht. Die beiden sind zwar klar mit einer Haltung an ihren Bericht herangegangen, doch lässt sich dem Bericht auf keinen Fall absprechen, im Detail und gründlich geforscht zu haben. Wer sich bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht oder nur oberflächlich mit dem Thema der ethnologischen Sammlungen beschäftigt hatte, für den waren die Befunde überraschend. Es ist zudem davon auszugehen, dass eine Umsetzung der Forderung für so manches kleinere Museum das Aus bedeuten würde.

Warum aber gehe ich überhaupt so ausführlich auf einen französischen Bericht ein, wenn ich doch im Vorfeld vor allem über deutsch-afrikanische Begebenheiten gesprochen habe? Der Grund dafür liegt in der Person Benedicte Savoy. Diese ist zwar französische Kunsthistorikerin, aber auch Professorin an der Technischen Universität Berlin und war, was für den heutigen Vortrag wichtiger ist, auch im Expertenbeirats des Berliner Humboldt-Forums. Mitte 2017 trat sie mit einem großen Knall aus diesem aus und erhebt seit dem schwere Vorwürfe gegen das Forum selber. Damit ist sie nicht alleine. Der weiter oben erwähnte Afrikahistoriker Jürgen Zimmerer geht sogar so weit, das Forum in Benin-Forum umbenennen zu wollen. Dass der diesen beiden Positionen gegenüberstehende Horst Bredekamp Gründungsdirektor des Humboldt-Forums ist, zeigt, dass in dieser Debatte wohl auch einiges an Statusporzellan zerschlagen wird.

Was aber hat es mit diesem Humboldt-Forum auf sich? Wie Sie sicherlich wissen, hatten die Hohenzollern in Berlin einmal ein Stadtschloss, von dem aus die Könige und späteren Kaiser schnell nötige Treffen und Besprechungen erreichen konnten. Nach dem zweiten Weltkrieg lag dieses Schloss in Ost-Berlin und wurde vom DDR-Regime dem Erdboden gleichgemacht. Stattdessen wurde dort der Palast der Republik, Erichs Lampenladen, wie man dort sagte, aufgezogen. Nach der Wiedervereinigung wurde auch dieser wieder abgerissen, um das Stadtschloss der Hohenzollern wieder aufzubauen. Da es aber keinen Kaiser mehr gibt, war eine Verwendung als Museum angedacht.

Die Architektur des Museums geht weit über eine Kopie des alten Schlosses hinaus, denn es umfasst auch noch weitere Grundstücke als das des Stadtschlosses. Es gibt dort also genug Platz, um die riesige Sammlung Adolf Bastians („Sammeln, sammeln, sammeln“), sowie das Museum für Asiatische Kunst und eine Berliner Stadtmuseum unterzubringen.

Namensgeber für das Museum als Humbold-Forum sind beide Brüder Humboldt. Während Alexander durch die Welt reiste und diese vermaß, war sein Bruder als Bildungsreformer und Sprachwissenschaftler aktiv. Beide gelten als Menschenfreunde und liberale Intellektuelle, denen jede Art von Rassismus oder Kolonialismus fremd war.

Benedicte Savoy trat aus einem bestimmten Grund aus dem Expertenbeirat aus, von dessen zwei Sitzungen sie bis zu diesem Ereignis nur eine besucht hatte. Ihr fehlt eine Provenienzstelle im Forum, die sich auf die Suche nach den Ursprüngen der Exponate macht und diese gegebenenfalls zurück gibt. Es geht dabei vor allem auch um die Exponate, die dem Museum zugeführt wurden, bevor Deutschland eine Kolonialmacht wurde, denn, so ihre Argumentation, damit diese Sachen überhaupt gesammelt werden konnten, war das koloniale System, das per se schon ein Unrechtssystem war, nötig. Daraus ergibt sich, dass alle Exponate des Forums zunächst unter dem Verdacht stehen, zu Unrecht dort zu sein. Dieser Gedanke spiegelt sich auch in ihrer Forderung im Bericht an den französischen Präsidenten wieder. Für das Humboldt-Forum bedeutet dies aber auch, dass sein Bestand so sehr eingeschränkt würde, dass das neu zu gründende Museum überflüssig würde, es wäre schlicht überdimensioniert.

Nun könnte man ketzerisch fragen: Na und? Ethnologische Museen? Braucht’s des? Für jemanden, der sich für Ethnologie und andere Kulturen nicht interessiert, mag die Frage berechtigt sein, aber wie steht es um naturwissenschaftliche Museen? In Zeiten, in denen es einen eklatanten Mangel an Lehrern für die so genannten MINT-Fächer gibt, tut doch jede Art von naturwissenschaftlicher Aufklärung gut. Deren Bestände braucht es daher wohl doch. Kehren wir daher noch einmal nach Berlin zurück, in das dortige Naturkundemuseum. Im großen Saal steht unübersehbar bis unter die Decke des Museumsdachs ein riesiges Brachiosaurierskelett. Mit seiner Größe zeugt es eindrucksvoll davon, wie mächtig diese Tiere einst unsere Welt beherrschten. Wer Filme liebt, erinnert sich an die Szene in Spielbergs Jurassic Park, als den geladenen Gästen des Parks zur Musik von John Williams eine ganze Herde dieser Tiere präsentiert wird. Heute denkt man auch an den Untergang der Dinosaurier, den Klimawandel und ähnliches. Solche optischen Reize haben Kinderaugen begeistert und dazu gebracht, sich intensiv mit der Urzeit zu beschäftigen. Manch einer wird die Idee mitgenommen haben und arbeitet nun in einem der MINT-Fächer.

Nur: Brachiosaurier, oder korrekter: Giraffatitanen, denn so ist die richtige Bezeichnung des dargestellten Wesens, lebten gar nicht in Europa bzw. in dem Bereich von Gondwana, der heute Europa ist. Das Skelett im Berliner Naturkundemuseum stammt aus Afrika, genauer aus Tansania, noch genauer aus der Kolonie Deutsch-Ostafrika und wurde dort zwischen 1909 und 1913 gefunden, ausgegraben und von dort nach Berlin transportiert.

Seit einiger Zeit gibt es Stimmen aus Tansania, die das Originalskelett, bei dem es sich um ein Wahrzeichen des Berliner Museums handelt, zurück haben wollen. Verhandlungen dazu werden mittlerweile geführt. Auch hier ist das Argument, dass es sich um einen Raub handelt auf dem Tisch. All das unter der Annahme, das Kolonialsystem sei ein Unrechtssystem gewesen. Und ja: Es war Unrecht! Anwälte, die etwa die Herero aus Namibia dabei unterstützen, Schadensersatz für den an ihren Vorfahren begangenen Völkermord 1908 zu erlangen, nutzen unter anderem die damalige Gesetzgebung, um klarzustellen, dass selbst nach damaligen Recht eine Straftat, ein Unrecht begangen wurde. Es besteht dabei keinerlei Diskussion, dass es ein Unrecht war. Es bleibt aber die Frage, ob Forschung, Kauf oder Tausch, die innerhalb eines Unrechtsstaats passierten, von vornherein auch mit diesem Unrecht gleichzusetzen sind.

Die Antwort von Savoy, Sarr und Zimmerer darauf ist ein relativ klares Ja. Bredekamp sieht das ganz anders und das ist eines der Probleme der Debatte. Dabei hilft es dann gar nicht, wenn die AfD-Fraktion im Bundestag den Antrag stellt, das deutsche Kolonialreich differenzierter, soll heißen, positiver aufzuarbeiten, als es bisher passiert. Dadurch wird ein wirklich differenzierter Blick auf die einzelnen Akteure schwieriger. Das System in dem agiert wurde, war Unrecht, die einzelnen Individuen waren deswegen aber nicht alle im Unrecht.

Es gibt aber noch einen zweiten Aspekt, den ich zum Schluss noch kurz anreißen möchte. Es geht um Zeit. Wenn wir in der aktuellen Debatte von Restitution sprechen, dann gehen wir etwa 150 Jahre zurück, eventuell sogar noch weiter. Wir verlassen dabei Europa und schauen nach Afrika, nach Asien und Ozeanien oder nach Südamerika. Doch auch in Europa selber hat es vor 200 Jahren einen der größten Kulturaubzüge der Geschichte gegeben. Eines der bekanntesten Museen der Welt zehrt noch heute davon: Der Louvre in Paris, dessen Ausstellung durch die Feldzüge Napoleons großzügig aufgestockt wurde. Beim Sacco di Roma im Jahre 1527 wurde durch die Truppen Kaiser Karls V. Rom und der Kirchenstaat geplündert. 90 Prozent der Kunstschätze in Rom wurden in dieser Zeit geraubt. Kaiser Friederich Babarossa schenkte im März des Jahres 1162 die Gebeine der Heiligen Drei Könige, die er bei der Belagerung und Eroberung Mailands mitgenommen hatte, seinem Freund Rainald von Dassel, der sie in seiner Funktion als Kölner Erzbischof in die Heilige Stadt am Rhein brachte, wo sie bis heute liegen und verehrt werden. Diese Reliquien trugen mit dazu bei, Köln zu einer der wichtigsten, reichsten und einflussreichsten Städte des Mittelalters zu machen. Schließlich, sind die aus dem Lateinunterricht bekannten Reden Ciceros gegen Verres zu nennen. Verres war angeklagt, sein Proprätorenamt dazu genutzt zu haben, den Menschen auf Sizilien durch absurde Abgaben Kunstwerke zu rauben, um sie seiner eigenen Sammlung hinzuzufügen. Dafür wurde Verres, der nach Marseille ins Exil gegangen war, zwar verurteilt, aber da man ihm erlaubt hatte, sein Vermögen mitzunehmen, konnte er nur zu einer Zahlung von 3 Millionen Sesterzen verurteilt werden, obwohl Cicero ihm klar nachweisen konnte, etwa 40 Millionen erpresst zu haben.

Das Plündern und Ausrauben von Menschen mit denen man im Krieg liegt bzw. die von einem abhängig sind, scheint also eine gute, europäische Tradition zu sein. Oder vielleicht nicht nur eine europäische? Schauen wir noch einmal auf die Benin-Bronzen aus dem heutigen Nigeria.

Das Königreich Benin ist seit dem 12. Jahrhundert belegt, Vorgängerreiche gab es wohl schon seit dem 7. Jahrhundert. Seine größte Ausdehnung hatte das Reich im 15. und 16. Jahrhundert. Erreicht hatte es diese Ausdehnung durch militärische Gewalt, die auch genutzt wurde, um Tributzahlungen in Form von Naturalien durch die umliegenden Dörfer und Orte zu erhalten. Die Metallverarbeitung war durch Königsprivileg geschützt und einzig dem königlichen Hof zugänglich. Die Skulpturenbauer gaben ihr Wissen einzig in ihren Familien weiter und arbeiteten abgeschotten von den anderen Handwerkern im Palast des Königs. Ein Vorgängerreich von Benin, Ife, war bereits für seine Metallverarbeitung berühmt. Der Abstieg Ifes hängt mit den Eroberungen Benins zusammen, in denen Ife der Zugang zu den Metallorten abgeschnitten wurde.

So gesehen sind die Benin-Bronzen selber entstanden durch Raub und Plünderung zugunsten einer Kunst, zu der das einfache Volk keinen Zugang hatte. Ein solcher Zugang zur afrikanischer Kunst ist interessanterweise ein Argument, das oft von den Befürwortern einer Rückführung der afrikanischen Kunstwerke gemacht wird. Afrikaner hätten in der Regel keine Möglichkeit sich die Kunstwerke in Europa anzusehen, weil sie dort nicht ohne Probleme hinkommen. So gesehen, könnte man überspitzt sagen, hätten die einfachen Einwohner Benins sie vielleicht auch nie zu Gesicht bekommen, wären die Kunstwerke nicht geraubt worden.

Daraus resultierend ist es natürlich möglich auch zu sagen, dass das Ausstellen dieser Kunst der ursprünglichen Bedeutung der Ursprungskultur zuwiderlaufe, ein Argument, dass Felwin Sarr in die Debatte eingeführt hat. Was bei uns ausgestellt wird, war urspünglich Gebrauchsgegenstand oder sakrales Instrument, dass durch seine Nutzung eben nicht aufbereitet und ausgestellt, sondern irgendwann verschwinden sollte. Horst Bredekamp setzt dem entgegen, dass dieses Verschwinden durch das Sammeln und Ausstellen aufgehalten und so ein wertvoller Teil fremder Kulturen geschützt und bewahrt würde. Eine Rückgabe ist dem zufolge nur dann möglich, wenn auch in den Ursprungsländern ein solcher Schutz geboten ist. Doch das ist oftmals nicht der Fall und gegebenenfalls auch gar nicht gewollt. Das ist natürlich eine eurozentrische Sicht auf die Exponate und man darf durchaus der Meinung sein, was die Ursprungskulturen mit den Gegenständen machen, sei ihnen überlassen und gehe uns nichts an. Aber auch dieses Argument gilt nur bedingt. Denn in den Jahren in denen die Exponate in Europa und den USA lagen, wurden sie Teil der westlichen Kultur. Dass die Entstehung der abstrakten Kunst maßgeblich durch ethnologische Exponate beeinflusst wurde, bildet dabei wohl nur den Gipfel dieser kulturellen Aneignung fremder Kultur, die ich hier keineswegs als negativ bewerten will.

Ich komme damit zum Schluss. Unsere Reise durch die Resitutionsdebatte ist beendet. Ein Ergebnis oder eine Lösung kann ich hier nicht präsentieren. Es kann keine generelle Lösung geben, die praktikabel und moralisch richtig ist. Es wird wohl auf die Einzelfallprüfung hinauslaufen.

Kongo – eine vorkoloniale Geschichte

(Vortrag bei der Bergischen VHS am 20. September 2019)

I. Begriffe

Ich möchte an diesen Vortrag über die Geschichte des Kongos in Zentralafrika mit dem Zitat des chinesischen Philosophen Konfozius beginnen. Diese schrieb bereits zu seiner Zeit:

„Der Edle ist vorsichtig und zurückhaltend, wenn es um Dinge geht, die er nicht kennt. Stimmen die Namen und Begriffe nicht, so ist die Sprache konfus. Ist die Sprache konfus, so entstehen Unordnung und Misserfolg. Gibt es Unordnung und Misserfolg, so geraten Anstand und gute Sitten in Verfall. Sind Anstand und gute Sitten in Frage gestellt, so gibt es keine gerechten Strafe mehr. Gibt es keine gerechten Strafe mehr, dann weiß das Volk nicht, was es tun und was es lassen soll. Darum muss der Edle die Begriffe und Namen korrekt benutzen und auch richtig danach handeln können. Er geht mit seinen Worten niemals leichtfertig um.“

Was er uns damit sagen will, ist simpel: Erst bestimmen wir, wo von wir reden, und dann reden darüber. In Fall dieses Vortrags sind es zwei Begriffe, die geklärt werden müssen. Zum einen der Begriff „Kongo“, zum anderen der Begriff „vorkolonial“.

Ich möchte mit dem zweiten begriff beginnen. Das Wort Kolonie kommt vom lateinsichen Wort colonia. Darin spiegelt sich ein besonderes Stadtrecht für Siedlungen des römischen Reichs außerhalb Italiens wieder. Die bekannteste dieser Siedlungen in Deutschland dürfte Köln sein, die Stadt, die das colonia bis heute im Namen trägt.

Wer an das römische Reich denkt, der denkt unweigerlich an die Antike und auch daran, dass das Imperium Romanum den gesamten Mittelmeerraum beherrschte. Dazu gehört auch Afrika! Auch dort gab es Kolonien, doch die wenigsten waren römischen Ursprungs. Denn die griechische Kultur beschränkte sich nicht nur auf die Peloponnes oder auf Mazedonien, sondern sie war auch Teil dessen, was wir heute als Türkei bezeichnen, und auch in Nordafrika bauten die Griechen Kolonien auf. Die bekannteste dieser Kolonien dürfte Alexandria gewesen sein, bei der es sich aber um eine sehr späte Gründung handelt. Vor allem an der Nordwestküste Ägyptens breiteten sich die Griechen aus. Apollonia oder Kyrene sind nur zwei der Städte, die die Griechen dort gründeten. Am Ufer des Nils kam noch Naukratis hinzu.

Bedeutender für die Geschichte Afrikas sind die Gründungen der Phönizier. Die punischen Kriege des römischen Reiches gegen Karthago und seine Nachbarregionen gehören heute zum Bildungskanon des Abendlandes. Wie afrikanisch diese Kolonien tatsächlich waren, zeigt sich an der Figur des Hannibal, der mit Elefanten 216 vor Christus über die Alpen zog und Rom in arge Bedrängnis brachte. Überhaupt spielten Karthago und die Phönizier für die Geschichtsschreibung Afrikas eine nicht ganz unbedeutende Rolle. So soll es um das Jahr 600 herum im Auftrag des ägyptischen Pharaos Necho einigen phönizischen Seeleuten gelungen sein, den gesamten afrikanischen Kontinent zu umrunden. Für diese Reise benötigen die Seeleute zwei bis drei Jahre. Eine Rekonstruktion der Reise lässt diese im Norden des Roten Meeres Ende November beginnen. Ende Mai erreichte die Expedition das Kap der guten Hoffnung in Südafrika, wo die Mannschaften überwinterten, bevor sie Anfang Dezember erneut in See stachen, um schließlich gegen Ende November in Marokko zu landen. Während dieser Bericht einzig auf einer kurzen Erwähnung bei Herodot beruht, ist ein weiterer Versuch von Nordafrika aus über See ins südliche Afrika vorzudringen durch die Phönizier überliefert. In der Mitte des fünften vorchristlichen Jahrhunderts probierte der phönizische Admiral Hanno die Gründung einer neuen Kolonie an der Küste von Guinea und schrieb darüber einen überlieferten Bericht.

Die Idee afrikanischer Kolonien ist demnach schon sehr alt. Dennoch möchte ich in diesem Vortrag keine Geschichte des Kongos vor der Antike erzählen, auch wenn diese Zeit auch vorkommt. Wer heute von Kolonie in Afrika spricht, der spricht von dem 19. Jahrhundert, als die Europäer systematisch den afrikanischen Kontinent aufteilten – etwa auf der Kongo-Konferenz in Berlin 1884/85. In diesem Vortrag bleiben wir einfach vor dem Jahr 1800 stehen und schauen, was in dieser Zeit im Kongo passiert ist. Dazu gibt es archäologische und textliche Zeugnisse, denn ab 1500 sind bereits Europäer an der Kongo-Mündung angekommen und schreiben auf, was sie erfahren und beobachten, etwa der Portugiese Luís de Camões. Er ist zwar kein Seefahrer, aber er schreibt im 16. Jahrhundert mit den Luisaden das portugiesische Nationalepos, in dem es im Prinzip darum geht, den glorreichen Weg der Portugiesen nach Asien zu literarisieren. Im fünften Gesang heißt es:

„Dort liegt der Kongo, dessen großes Land // Wir längst bekehrten zu dem Glauben Christi, // Wo der Zaire fließt, so klar und lang, // Ein Fluss, den bei den Alten man vermisste.“

De Camões spielt mit diesen Worten auf das Königreich Kongo an, das erstmals durch den portugiesischen Entdecker Diogo Cão in den Schriften bezeugt wird. 1482 kam Cão an die Mündung des Kongo und hörte von dem so genannten Manikongo, einem bedeutenden Herrscher dieses Gebiets. Cão schickte einige seiner Männer aus, um den Herrscher aufzusuchen, und nahm ebenfalls Gesandte mit nach Portugal. Ein Jahr später etwa wurde der Tausch wieder rückgängig gemacht. Damit war ein stetiger Handel mit dem Königreich Kongo eingeleitet, der schon kurze Zeit später dazu führte das der Manikongo, Nzinga Nkuwu, 1490 das Christentum als seine Religion annahm. Sein Sohn wechselte seinen Namen von Nzinga Mpangu in Alphonso I. und nannte seinen eigenen Sohn Henrique. Aus diesem sollte der erste afrikanische Bischof der katholischen Kirche werden. Don Alfonso teilte seinem Bruderkönig in Portugal sogar mit, wie viele Kongolesen den rechten, christlichen Glauben angenommen hätten. In diesem kurzen Abriss zeigt sich, dass hier keine Kolonie aufgebaut wurde, sondern lediglich ein Handelsstützpunkt. Es gab also einen portugiesischen Einfluss, aber eben keine Kolonie, dafür war das Königreich Kongo schlicht zu eigenständig – aber dazu später mehr.

Der zweite Begriff, der definiert werden soll ist der Name „Kongo“, denn dahinter verbirgt sich mehr als man meinen mag. Schaut man sich eine politische Karte Afrikas heute an, erkennt man, dass es gleich zwei Länder gibt, die den Namen Kongo tragen. Das eine ist die Republik Kongo, oder Kongo-Brazzaville, das andere die Demokratische Republik Kongo, oder Kongo-Kinshasa. Das letzte Land ist das größere von beiden und das Land, von dem man spricht, wenn man vom Kongo spricht. Kongo-Brazzaville war eine französische Kolonie, die durch einen Italiener erschlossen und erobert wurde, eben jenen Herrn Brazza, Kongo-Kinshasa aber war Belgisch. Bis in das späte 19. Jahrhundert wussten die Europäer über dieses Gebiet jenseits der Kongomündung nichts, was sich an den Karten des 19. Jahrhunderts zeigt, in denen das Gebiet des heutigen Kongo als unerforschter weißer Fleck dargestellt wird. Dieser Fleck faszinierte die Europäer. Der große Schriftsteller Joseph Conrad beschloss als Kind dorthin aufzubrechen, David Livingston machte sich auf den Weg dorthin und galt als verschollen, bis Henry Morgan Stanley ihn wiederfand.

Der Name Stanley ist unmittelbar mit dem Gebiet des heutigen Kongo verbunden. Er war es, der den seltsamen Verlauf des Kongo nicht nur für die Europäer herausfand, weil sich niemand vorstellen konnte, dass der Fluss von seiner Quelle aus erst nach Norden verläuft, dort nach Südwesten abbiegt, um dann erneut recht gerade nach Westen zu verlaufen und so den Äquator zweimal überschreitet – was kein anderer Fluss der Welt tut.

Stanley entdeckte für Europa den Kongo und ließ den weißen Fleck verschwinden. Er entwickelte die Idee eines Freistaats und machte dafür soviel Werbung, dass der belgische König Leopold II. sich dafür begeistern konnte. Während in anderen Teilen Afrikas der europäische Nationalismus in Form der Koloniegründung seinen Weg bahnte, sollte der Kongo zu einem Ort werden, der für alle europäischen Nationen offen stand – um dort Handel zu treiben. Damit sich alle Europäer einigen konnten, ohne dass weiterhin europäisches Blut vergossen wurde, lud der deutsche Kanzler Otto von Bismarck 1884 zur Kongo-Konferenz nach Berlin ein. Sie tagte mehrere Monate und im Frühjahr 1885 war Afrika unter den europäischen Nationen aufgeteilt. Afrikanische Vertreter nahmen an dieser Konferenz nicht teil.

Das wichtigste Ergebnis dieser Konferenz war die Festsetzung des Gebietes des Kongo. Das Land, dessen Umfang weiter oben beschrieben ist, wurde damals erschaffen und existiert mit kleineren Veränderungen im Kern noch heute. Keiner Nation unterstand dieses Gebiet, es war zum Privateigentum Leopold II. geworden, der sich zum Kämpfer gegen den Sklavenhandel erklärte, um dieses Privileg zu bekommen. Gemeint ist damit der Sklavenhandel, der von Sansibar aus nach Arabien ging, und der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, lange nach dem Ende des amerikanischen Bürgerkriegs, noch weiterging.

Die Argumentation des belgischen Königs funktionierte. Und so wurde ihm ein Gebiet zugesprochen, das so groß war wie halb Europa. Kaum einer hatte bei der Konferenz zudem bemerkt, dass der König auf der Karte einfach das Grenzgebiet noch ein wenig weiter nach Süden verschob und Katanga, das eigentlich gar nicht zum Freistaat gehören sollte, gleich mit dazu zählte. Das konnte passieren, weil hier der Sultan von Sansibar Vorrechte hatte, die zwar durch die Briten in Berlin vorgeblich geschützt wurden, aber leider ohne große Ahnung.

Und genau um dieses Gebiet soll es gehen, wenn ich von Kongo spreche. Mir ist dabei bewusst, dass sich die Katze hier in den Schwanz beißt, denn ich referiere über die vorkoloniale Geschichte eines Gebietes, das ohne Kolonie niemals als Gebiet entstanden wäre. Aber diese Ambivalenz müssen wir aushalten.

II. Vorgeschichten

Was wissen wir über die Geschichte dieses Gebiets, das man Kongo nennt? Ich erspare uns jetzt die Geschichte der Menschehit, die ja bekanntlich in Afrika beginnt und fange einfach mit einer Episode an, die sich im Jahr 2229 v. Chr. Zugetragen hat. Woher wir das so genau wissen? Dank der Aufzeichnungen von Menschen, die zu diesem Zeitpunkt zum einen schreiben konnten und zum anderen in Afrika waren: Die Ägypter.

Das erste Volk des Kongo, das es in diese Quellen schaffte, waren die Pygmäen. Das merkt man nicht nur an dem Begriff selber, der ein aus dem griechischen abgeleitetes Fremdwort ist, was so viel wie Fäustling bedeutet und sich eben auf die Körpergröße bezieht.

Der Begriff Volk ist eigentlich falsch. Es ist lediglich eine didaktische Vereinfachung, denn unter den Begriff Pygmäen fallen viele Völker mit sehr unterschiedlichen Kulturen und Vorstellungen. Ihnen gemein ist einzig ihre geringe Körpergröße. Die Heimat der Pygmäen ist in der Antike nicht klar definiert, sie wohnen entweder in Afrika oder in Asien. Die Vorstellung eines Volkes von Kleinwüchsigen geht aber wohl auf die Ägypter zurück. Aus dem Alten Reich zur Zeit des Pharaos Pepi II., der als Kindkönig im Jahre 2229 v. Chr. auf den Thron gelangt war, ist ein Brief des jungen Königs an den ägyptischen Nubien-Reisenden Horchuf überliefert:

„Komm unverzüglich zurück zur Residenz! Eile und bringe mir diesen Zwerg, den du lebend, gesund und heil aus dem Land der Geister geholt hast, für die Tänze Gottes und für die Belustigung und zur Unterhaltung des Königs von Ober- und Unterägypten, der ewig lebt. Wenn er mit dir zu Schiff herkommen wird, so stelle gute Leute an, die bei ihm sein sollen zu beiden Seiten des Schiffs, um zu verhüten, daß er ins Wasser fällt! Wenn er nachts schläft, nimm dir verläßliche Leute, die hinter ihm in seinem Zelt (auf dem Deck) schlafen. Schaue zehnmal des Nachts nach! Diesen Zwerg wünscht Meine Majestät lieber zu sehen als die Gaben des Sinai und die von Punt.“

Das Land der Geister ist das Land jenseits des Bekannten. Von dort wo der Nil als Weißer Nil entspringt, ist es nicht weit bis zu zwei nördlichen Nebenflüssen des Kongo, dem Ubangi und dem Lindi. Dorthin war Horchuf aufgebrochen. Und so kam wohl die Legende von den Fäustlingen in die Antike Welt, die von Homer und Strabon aufgenommen und weitererzählt wurde. Seit dem 19. Jahrhundert wurde der griechische Begriff, der auf eine altägyptische Quelle zurückgeht, von Europäern in latinisierter Form für die kleinwüchsige Bevölkerung Zentralafrikas verwendet. So schließt sich der Kreis.

Abgesehen von den Pygmäen finden sich auch noch andere Menschen im Kongo wieder. Diese kamen dort vor etwa 3000 Jahren an. Es geht hier um die Bantu-Wanderungen. Diese Wanderung vollzog sich im Prinzip in zwei großen Stadien. Ihren Ursprung hatte diese Wanderungsbewegung im senegalesischen Hochland. Von dort aus zogen vor etwa 5000 Jahren zwei Gruppen los. Die eine wanderte die Küste entlang, die zweite Gruppe wanderte in den Bereich der großen Seen im Ostkongo. Veränderte Umweltbedingungen führten dazu, dass die Gruppen weiter wanderten. Vor 3000 Jahren entstand so die zweite Wanderungsbewegung der Bantu-Völker vom Osten des Kongo aus in das südliche Afrika.

In beiden Fällen brachten die Bantu neben ihrer Sprache auch neue Techniken, etwa die Zucht und Verarbeitung der Yamswurzel und die Metallverarbeitung mit. Aber auch die typischen Trommeln, die bis heute als das Musikinstrument Afrikas gelten, gehen auf die Bantu-Völker zurück.

Die fortschrittliche kulturelle Entwicklung der Bantu sorgte nicht nur für eine Übernahme ihrer Sprache, sondern auch für die Einführung autoritärer Gesellschaftsmodelle, an deren Spitze ein sogenannter Big Man stand. Auch der Ahnenkult scheint, nach allem, was wir wissen, auf die Bantu zurückzugehen und ist sprachlich und kulturell mit der Idee des autoritären Gesellschaftsmodells verbunden.

Die Entwicklung machte aber nicht mit den Bantu Halt. Arabische Händler brachten aus Indien eine Frucht nach Afrika, die die Landwirtschaft Zentral- und Ostafrikas bis heute prägt: Die Kochbanane. Sie war für die Landwirtschaft des Kongo revolutionär. Die bis dahin angebaute Yams-Wurzel rangierte durch die Kochbanane nur noch auf Platz 2 der Nahrungsmittel.

III. Gewässer

Bevor wir uns dem Leben in den Gesellschaften widmen, die sich im Kongo niederließen und die Region bevölkerten, soll hier kurz ein Blick auf den Fluss geworfen werden, der gleich zwei Ländern den Namen gab. Sie wissen eventuell, dass bis in die 1990er Jahre hinein, das Land, um das es in diesem Vortrag geht, Zaire hieß. Wie kam das?

Als Mobutu auf die Idee verfiel, den Kongo zu afrikanisieren, änderte er auch den Namen des Landes und des Flusses in Zaire – in der irrigen Annahme dies sei der älteste, ja der ursprünglich afrikanische Name. Was ihm dabei entging, war, dass es sich bei diesem Begriff, um eine portugiesische Version, eventuell sogar eine Verballhornung eines tatsächlichen Wortes aus der Sprache der Kikongo handelte, ein Wort, das nach linguistischer Rekonstruktion nzadi oder nzere heißt und eine Bedeutung trägt, die den Kongo sehr gut beschreibt: Der Fluss, der alle Flüsse schluckt. Ein Blick auf eine Karte zeigt dies recht deutlich. Bevor sich der Kongo mit ungeheurer Kraft in den Atlantik drückt, wird er mit Wasser aus zwanzig Flüssen direkt gespeist. Diese Flüsse besitzen alringt, fanden sich die Luba. Ihre Nachbarn, die am Kassai, einem Nebenfluss des Kongo, ihr Territorium aufgebaut hatten, waren die Lunda. Nordwestlich davon wohnte das Volk der Kuba, die nichts mit der karibischen Insel zu tun haben. Im Mündungsgebiet des Kongo schließlich befanden sich die Yaka, die Kakongo, die Teke, die Ngoyo und ein Volk, das den Namen des Flusses angenommen hatte. le noch Nebenflüsse, von denen der bekannteste Wohl der Ebola ist, eben jener Fluss, an dem in den 1970er Jahren das erste Mal das tödliche Virus entdeckt wurde, das heute bekannter ist als der Fluss selbst.

Entlang dieses Flusssystems hatten sich im Laufe der Zeit zahlreiche Völker niedergelassen und eigene Reiche gebildet. In Katanga, dort, wo der Kongo als Lualaba entspringt, fanden sich die Luba. Ihre Nachbarn, die am Kassai, einem Nebenfluss des Kongo, ihr Territorium aufgebaut hatten, waren die Lunda. Nordwestlich davon wohnte das Volk der Kuba, die nichts mit der karibischen Insel zu tun haben. Im Mündungsgebiet des Kongo schließlich befanden sich die Yaka, die Kakongo, die Teke, die Ngoyo und ein Volk, das den Namen des Flusses angenommen hatte.

Und weil dieser Fluss so groß und bedeuten ist und an einigen Stellen eine Breite aufweist, die etwa der Schwebebahnstrecke von Oberbarmen nach Vohwinkel entspricht, muss es in diesem Gewässer auch ein Tier geben, das bisher nicht nachzuweisen ist, aber so groß ist, das es den Fluss stoppen kann. Zumindest ist das die Übersetzung seines Namens: Mokele-Mbembe.

Die ersten Hinweise auf dieses Wesen finden sich in einem europäischen Reisebericht des 18. Jahrhundert. Der französische Missionar Lievin Bonaventure Proyart schrieb 1766:

„Die Missionare beobachteten, während sie einen Wald entlang gingen, die Spur eines Tieres, das sie nicht sahen; aber das muss ungeheuerlich sein: Die Spuren seiner Klauen sind auf der Erde zu sehen und bilden einen Abdruck von etwa drei Fuß Umfang. Bei der Untersuchung der Anordnung seiner Schritte wurde erkannt, dass seine Beine seine Beine einen Abstand von sieben oder acht Fuß voneinander haben.“

Nun gibt es in den Berichten von missionierenden Männern seit dem Beginn des des Mittelalters immer wieder Hinweise, dass diese gegen Ungeheuer antreten mussten, angefangen beim Heiligen Columban am Loch Ness, doch natürlich passt ein solches Wesen sehr gut in diesen gigantischen Fluss. So ist es auch kein Wunder, dass die Spuren des Ungeheuers eben nicht nur in der Demokratischen Republik Kongo zu finden sind, sondern auch in der Republik Kongo und auch noch im Kamerun. Die wildesten Idee, wohl angeregt durch die fantastische Literatur des 19. Jahrhunderts, spiegeln sich in der Geschichte des Mokele-Mbembe wieder. So soll es sich um einen Dinosaurier handeln und man denkt unweigerlich an die Vergessene Welt des Professor George Challengers aus dem gleichnamigen Roman von Arthus Conan Doyle, auch wenn dieser Roman in Südamerika spielt.

IV. Kulturen

Vergessen war die Welt im Kongo, in diesem weißen Fleck auf dem Globus, aber keineswegs. Im Gegenteil: Gleich drei Reiche hatten sich im Südosten der heutigen Demokratischen Republik Kongo gebildet. Das älteste von ihnen war das Reich der Luba, das sich irgendwann im 6. Jahrhundert gründete. Von diesem Reich ältesten Reich finden sich nur Spuren in einer Stadt namens Senga, die dabei nicht einmal in das Kerngebiet der Luba gehörte, sondern erst später von ihnen erobert wurde.

In Senga aber gibt es einen jahrhundertealten Friedhof, der eine Fundgrube für Archäologen ist. In diesen Gräbern fanden Archäologen bereits in den 1970er Jahren unzählige Knochen, die sich datieren ließen. Neben den Knochen fanden sich zudem reiche Grabbeigaben. All das erlaubt es uns, die Geschichte Sengas über neun Jahrhunderte nachzuvollziehen.

Die älteste Epoche hat den Namen Kamilambia. Was war da nun passiert? Der Ort Senga liegt am Upembasee nördlich von Katanga, etwa 500 km westlich des Tanganyikasee, der heute die Grenze zwischen dem Kongo und Uganda bildet.

Dort ließen sich im 6. Jahrhundert Angehörige der Bantu nieder und begannen das Fischen. Dabei waren sie recht erfolgreich und waren in der Lage den Fisch nicht nur für den eigene Bedarf zu fangen, sondern ihn auch in der näheren Umgebung zu verkaufen. Dabei setzten sie nicht auf frischen Fisch, sondern auf den Handel mit getrocknetem Fisch. Außerdem waren sie auch in der Lage, Palmöl zu produzieren. Diese erste Phase in Senga dauerte etwa 200 Jahre an.

Ab dem 8. Jahrhundert schließt sich die Epoche von Alt-Kisalia an. Die Archäologen fanden in diesen Gräbern Kupferäxte. Solche Waffen sind oft ein Zeichen für eine starke, autoritäre Herrschaft. Eine solche ist immer dann nötig, wenn es mehr Menschen gibt als vorher. Ein weiters Indiz für eine zentrale Herrschaft sind zudem Kaurimuscheln, die in den Gräbern lagen. Diese waren in Ostafrika ein Zahlungsmittel und sind auch im Ort Senga genutzt worden, als dessen Bewohner ihre Produkte weiter östlich verkauften. Die Muscheln wurden ab dem 8. Jahrhundert auch in Senga als Zahlungsmittel genutzt. Auch das ist ein Zeichen für eine stabilisierende Herrschaft in der Region.

In Anlehnung an die Geschichte des Alten Griechenlands, hat man die Epoche des Kisali zweigeteilt. Neben Alt-Kisali spricht man daher auch von der Epoche des klassischen Kinsali, das ab dem 11. Jahrhundert in den Grabfunden nachweisbar ist. Der große unterschied zu den etwa 300 Jahren davor liegt in einer immensen nachweisbaren Steigerung des Reichtums innerhalb einer hierarchischen Gesellschaft. Zudem kann nun durch die Funde auch klar gemacht werden, wie Vererbung in Senga vor sich ging. Zwar blieben die Männer weiterhin die politischen Machthaber, aber lediglich die mütterliche Linie bestimmte diese.

Den Abschluss in der Geschichte von Senga bildet die Epoche des Kabambia, die im 14. Jahrhundert ansetzt. Die Archäologen fanden ab diesem Zeitpunkt in den Gräbern Kupferkreuze, die in der Folge zwar kleiner, aber regelmäßig als Grabbeigaben auftauchten. Sie interpretieren diese im Sinne eines Zeichens für Handelskontakt zu anderen Zentralfrikanischen Völkern, in denen es diese Kreuze schon vorher gab. Darin zeigt sich eine stabile Erweiterung des Handelsnetzes in westliche Richtung, so dass durch den Ort Senga die ostafrikanische Küste mit den westlichen Regionen Zentralfarikas verbunden waren.

Diese zentrale Stellung machte Senga für die Eroberung stärkerer Reiche interessant und so wurde Senga irgendwann im 18. Jahrhundert Teil des Lubareiches. Dieses Reich, das nördlich des Upembasees gelegen war, entstand durch zahlreiche Verbindungen zwischen einzelnen Dörfern und Siedlungen, die durch Heirat der führenden Familien untereinander eine Einheit bildeten. Als politische Einheit etablierte es sich wohl schon im 14. Jahrhundert. Kern des Machterhalts der Luba war die Kontrolle der Handelswege. Die Expansion des Reiches fand im 17. Jahrhundert. einen Höhepunkt, als es vom Fluss Lualaba bis zum Tanganyikasee reichte. Kulturell zeigt sich dies durch die Kupferkreuze, die sich in großer Zahl in diesem Gebiet in zahlreichen Gräbern fanden. Bereits vorher hatten sich verschiedene Vertreter der Luba auf den Weg gemacht, um anderswo zu leben. Dazu gehörte zum einen der Norden Mozambiques, und zum anderen die Region zwischen Lubilashi und Kasai, westlich des Lubareiches, ließen sich einzelne Vertreter der Luba nieder, wo sie sich mit dort lebenden Völkern verbanden, so dass das Lunda-Reich entstand.

Schon der Name Lunda, der „Freundschaft“ bedeutet, ließ so manchem kongolesischen Historiker davon schwärmen, welch eine Blüte an Zivilisation im ausgehenden Mittelalter in Zentralafrika geherrscht haben muss. Eine Staatswesen, das auf Freundschaft aufgebaut war, konnte ja nur friedliebend und progressiv sein.

Und tatsächlich: Lunda war bei seiner Gründung im 16. Jahrhundert ein Konföderation verschiedener Bungu-Völker, die sich einen König wählten, den Mwata. In der mündlichen, teilweise sagenhaften Überlieferung erfährt man dann über den ersten, noch namenlosen Mwata, dass dieser drei Kinder hatte. Die Tochter Luedschi wurde zur Erbin des Reiches ernannt, die beiden erfolglosen Brüder zogen davon und gründeten Mbengale und Luanda in Angola. Die neue Herrscherin indes verliebte sich in einen aus dem Osten kommenden Prinzen der Luba mit Namen Ilunga Kibinda.

Liebe und Freundschaft als Basis für eine Gründung reichten jedoch langfristig nicht aus. Auch die Lunda expandierten über ihr eigentliches Gründungsgebiet heraus. Schon etwa 100 Jahre nach der Gründung des Reiches reichte es vom Oberlauf des Sambesis bis zum Kasai, kriegerische Eroberung der Salzpfannen im südostlichen Katanga kamen wenig später hinzu. Das Prinzip der Konföderation wurde dabei stets im Auge behalten, auch die Eroberten wurden Teil dieses Systems. So existierte ein Rat, der als Kabinett des Königs mit entschied. Er bestand aus den Abgeordneten der tributpflichtigen Häuptlingen und Amtsträgern des Herrerschers. Dieser wurde von vier Würdenträgern gewählt. Es gab zudem noch dem Reich der Lunda verbundene, aber ihre Unabhängigkeit bewahrende, lose und eigenständige Reiche, die dem Herrscher tributpflichtig waren.

Durch Beschreibungen westlicher Reisender der frühen Neuzeit wissen wir einige Details aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang der Lunda. So wurde etwa die soziale Stellung durch Verwandschaftsbeziehungen weitergegeben. Was das genau heißt, erklärt sich so: Wenn der Sohn eines Königs irgendwo ein neues Territorium zu seinem eigen macht, bleibt diese Vater-Sohn-Beziehung Grundlage der Beziehung zwischen den beiden Königen, unabhängig davon, wer tatsächlich auf dem Thron sitzt.

Von der auf Liebe und Freundschaft getragenen Gründungsidee war im 18. Jahrhundert nicht mehr viel übrig. Das Reich expandierte unter Zuhilfenahme einer recht starken Armee, die von einem General mit dem Titel Kazembe angeführt wurde, und sicherte sich so die Handelswege von Sansibar, also vom Indischen Ozean, bis an den Atlantik, wo man mit den Portugiesen und anderen Europäern Handel trieb. Das beliebteste Produkt bei diesem Handel war Ebenholz.

Noch ein bisschen weiter westlich entstand das Volk der Kuba, das vor allem durch seine filigrane Handarbeit bekannt wurde. Auch hier gibt es einen Gründungsmythos, der die historische Wirklichkeit recht genau widerspiegelt. Ein Krieger musste aus Westafrika fliehen, weil er eine Inzest-Beziehung zu seiner Schwestser unterhielt. Er ließ sich weit ab in der Region zwischen Sankuru, Kasai und Lulua nieder und gründete dort, irgendwann zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhundert ein neues Reich. Die Kuba trieben vor allem Handel mit der Region der Kongomündung und Katanga Sie waren als Hersteller von Stoffen aus Raphia, einem Palmengewächs, berühmt. Auch sie waren als Konföderation aus einzelnen Häuptlingen strukturiert, die sich ein Oberhaupt wählten. Die Häuptlinge waren absetzbar, aber ein dreiköpfiger Rat der Häuptlinge blieb auf Lebenszeit bestehen. Das gewählte Oberhaupt war rechtlich nicht absetzbar und blieb bis zum Tod im Amt.

Der König erhielt Elfenbein und Leoparden als Tribut. Er unterhielt eine starke Armee, die den Häuptlingen gegen Eindringlinge half. Die Armee wurde zum einen aus jungen Männern rekrutiert, deren Einsatz als Initiationsritus in die Gesellschaft der Erwachsenen galt, zum anderen wurde die Armee aus Kriegsgefangenen rekrutiert.

Das Gerichtssystem wurde durch Geschworen getragen, was aber erst als feststehende Institution im 17. Jahrhundert entstand. In der Qualität ihrer künstlerischen Arbeiten stachen die Kuba heraus. Neben der Produktion der Stoffe, war es vor allem die Holzbearbeitung, in der sie es zu einer wahren Meisterschaft brachten. Die Königsstatuen etwa sind durch einen realistischen Stil geprägt, der vielen anderen Darstellungen aus Zentralafrika fehlt.

Getragen wurden diese beschriebenen Reiche vor allem durch den Kongo und seine Nebenflüsse, die wie ein weitläufiges Schienennetz Waren und Nachrichten in recht schneller Geschwindigkeit von einem Ort zum anderen brachte. Im Westen des Kontinents schließlich bricht der Fluss aus sich heraus und ergießt sich in einer hohen Geschwindigkeit in den Atlantik. Unweit von dieser Stelle, befand sich das letzte Reich, das heute betrachtet werden soll: Das Königreich Kongo.

Seine Anfänge liegen im 14. Jahrhundert begründet. Auch hier besagt der Mythos, dass ein Vertriebener aus dem Norden mit Namen Nimi Lukeni das Reich gründete und dabei gleich auf ein zentrales Königreich setzte. Es gab eine religiöse und eine politische Autorität, die sich in zwei unterschiedlichen Personen darstellten. König und Oberpriester waren klar voneinander unterscheidbar, aber ihre Familien waren durch Hochzeiten miteinander verbunden.

Kriegerische Auseinandersetzungen zur Konsolidierung der Herrschaft und Sicherung von Handelswegen fanden durch die Expansion nach Westen statt, um die Kongomündung unter Kontrolle zu bringen. Im Ergebnis entstand durch die kriegerische Expansion ein Sklavensystem aus Kriegsgefangenen der unterlegenen Völker. Die schon von Anfang an festgelegte Zentralisierung des Königreichs wurde im Laufe der Zeit durch ein stehendes Heer und das Verbot der Vererbung von Posten ausgebaut. Auch eine eigne Währung aus Muscheln war vorhanden. Die Gesellschaft war durch soziale Schichten geprägt, etwa Adelige, Gewöhnliche, Dorfbewohner und Sklaven. Das Gesellschaftssystem beruhte auf Handel und Tausch, da es zum einen gute landwirtschaftliche Produkte, zum anderen ausgearbeitete und spezialisierte Handwerker gab, die ihre Waren durch ein Tribut- und Belohnungssystem vertrieben.

Etwa zur selben Zeit, als das Königreich Kongo sich konsolidiert, also etwa um das Jahr 1300 herum, entsteht auch der Ort Mpumbu als ein großer Markt und Bezirk in der Provinz Nsundi. Dieser Ort umfasste mehrere traditionelle Dörfer und Siedlungen wie Lumeti, Luvula, Ngombe, Intambo, Mbanza, Lemba, darunter einen Ort mit Namen Insasa. In der Sprache der Teke, einem Volk, das im Königreich Kongo lebte bzw. von diesem abhängig war, bedeutet das etwa „Verkaufen auf dem kleinen Markt“. Es ist das Dorf Inshasa, das Kinshasa seinen Namen geben wird. Diesen Namen wählten die Behörden am 30. Juni 1966, um das alte Leopoldville umzubenennen.

Ursprünglich war Inshasa ein Nganda, ein Lager der Teke, das sich auf der Insel Mbamu mitten im Malebo-Becken befand. Seine Bewohner zerstreuten sich infolge verschiedener Kriege. Einige ließen sich auf dem M’Fua-Plateau, dem heutigen Standort von Brazzaville, nieder, während andere zum linken Ufer auswanderten, wo sie in Mpumbu auf den Humbu-Ländern am Ufer des Flusses eine neue Siedlung gründeten. Die Einwohner wurden daher als Flussvolk bezeichnet. Bis hierin sollte klar geworden sein, dass Handel eine entscheidende Rolle bei der Gründung von Reichen im Kongo gespielt hat. Im Laufe der Frühen Neuzeit, nach dem die Europäer gelandet waren, kam ein weiterer Handel hinzu.

Darin zeigt sich eine stabile Erweiterung des Handelsnetzes in westliche Richtung, so dass durch den Ort Senga die ostafrikanische Küste mit den westlichen Regionen Zentralfarikas verbunden waren. Diese zentrale Stellung machte Senga für die Eroberung stärkerer Reiche interessant und so wurde Senga irgendwann im 18. Jahrhundert Teil des Lubareiches. Dieses Reich, das nördlich des Upembasees gelegen war, entstand durch zahlreiche Verbindungen zwischen einzelnen Dörfern und Siedlungen, die durch Heirat der führenden Familien untereinander eine Einheit bildeten. Als politische Einheit etablierte es sich wohl schon im 14. Jahrhundert. Kern des Machterhalts der Luba war die Kontrolle der Handelswege. Die Expansion des Reiches fand im 17. Jahrhundert. einen Höhepunkt, als es vom Fluss Lualaba bis zum Tanganyikasee reichte. Kulturell zeigt sich dies durch die Kupferkreuze, die sich in großer Zahl in diesem Gebiet in zahlreichen Gräbern fanden. Bereits vorher hatten sich verschiedene Vertreter der Luba auf den Weg gemacht, um anderswo zu leben. Dazu gehörte zum einen der Norden Mozambiques, und zum anderen die Region zwischen Lubilashi und Kasai, westlich des Lubareiches, ließen sich einzelne Vertreter der Luba nieder, wo sie sich mit dort lebenden Völkern verbanden, so dass das Lunda-Reich entstand. Schon der Name Lunda, der „Freundschaft“ bedeutet, ließ so manchem kongolesischen Historiker davon schwärmen, welch eine Blüte an Zivilisation im ausgehenden Mittelalter in Zentralafrika geherrscht haben muss. Eine Staatswesen, das auf Freundschaft aufgebaut war, konnte ja nur friedliebend und progressiv sein. Und tatsächlich: Lunda war bei seiner Gründung im 16. Jahrhundert ein Konföderation verschiedener Bungu-Völker, die sich einen König wählten, den Mwata. In der mündlichen, teilweise sagenhaften Überlieferung erfährt man dann über den ersten, noch namenlosen Mwata, dass dieser drei Kinder hatte. Die Tochter Luedschi wurde zur Erbin des Reiches ernannt, die beiden erfolglosen Brüder zogen davon und gründeten Mbengale und Luanda in Angola. Die neue Herrscherin indes verliebte sich in einen aus dem Osten kommenden Prinzen der Luba mit Namen Ilunga Kibinda. Liebe und Freundschaft als Basis für eine Gründung reichten jedoch langfristig nicht aus. Auch die Lunda expandierten über ihr eigentliches Gründungsgebiet heraus. Schon etwa 100 Jahre nach der Gründung des Reiches reichte es vom Oberlauf des Sambesis bis zum Kasai, kriegerische Eroberung der Salzpfannen im südostlichen Katanga kamen wenig später hinzu. Das Prinzip der Konföderation wurde dabei stets im Auge behalten, auch die Eroberten wurden Teil dieses Systems. So existierte ein Rat, der als Kabinett des Königs mit entschied. Er bestand aus den Abgeordneten der tributpflichtigen Häuptlingen und Amtsträgern des Herrerschers. Dieser wurde von vier Würdenträgern gewählt. Es gab zudem noch dem Reich der Lunda verbundene, aber ihre Unabhängigkeit bewahrende, lose und eigenständige Reiche, die dem Herrscher tributpflichtig waren. Durch Beschreibungen westlicher Reisender der frühen Neuzeit wissen wir einige Details aus dem gesellschaftlichen Zusammenhang der Lunda. So wurde etwa die soziale Stellung durch Verwandschaftsbeziehungen weitergegeben. Was das genau heißt, erklärt sich so: Wenn der Sohn eines Königs irgendwo ein neues Territorium zu seinem eigen macht, bleibt diese Vater-Sohn-Beziehung Grundlage der Beziehung zwischen den beiden Königen, unabhängig davon, wer tatsächlich auf dem Thron sitzt. Von der auf Liebe und Freundschaft getragenen Gründungsidee war im 18. Jahrhundert nicht mehr viel übrig. Das Reich expandierte unter Zuhilfenahme einer recht starken Armee, die von einem General mit dem Titel Kazembe angeführt wurde, und sicherte sich so die Handelswege von Sansibar, also vom Indischen Ozean, bis an den Atlantik, wo man mit den Portugiesen und anderen Europäern Handel trieb. Das beliebteste Produkt bei diesem Handel war Ebenholz. Noch ein bisschen weiter westlich entstand das Volk der Kuba, das vor allem durch seine filigrane Handarbeit bekannt wurde. Auch hier gibt es einen Gründungsmythos, der die historische Wirklichkeit recht genau widerspiegelt. Ein Krieger musste aus Westafrika fliehen, weil er eine Inzest-Beziehung zu seiner Schwestser unterhielt. Er ließ sich weit ab in der Region zwischen Sankuru, Kasai und Lulua nieder und gründete dort, irgendwann zwischen dem 15. und dem 17. Jahrhudnert ein neues Reich. Die Kuba trieben vor allem Handel mit der Region der Kongomündung und Katanga Sie waren als Hersteller von Stoffen aus Raphia, einem Palmengewächs, berühmt. Auch sie waren als Konföderation aus einzelnen Häuptlingen strukturiert, die sich ein Oberhaupt wählten. Die Häuptlinge waren absetzbar, aber ein dreiköpfiger Rat der Häuptlinge blieb auf Lebenszeit bestehen. Das gewählte Oberhaupt war rechtlich nicht absetzbar und blieb bis zum Tod im Amt. Der König erhielt Elfenbein und Leoparden als Tribut. Er unterhielt eine starke Armee, die den Häuptlingen gegen Eindringlinge half. Die Armee wurde zum einen aus jungen Männern rekrutiert, deren Einsatz als Initiationsritus in die Gesellschaft der Erwachsenen galt, zum anderen wurde die Armee aus Kriegsgefangenen rekrutiert. Das Gerichtssystem wurde durch Geschworen getragen, was aber erst als feststehende Institution im 17. Jahrhundert entstand. In der Qualität ihrer künstlerischen Arbeiten stachen die Kuba heraus. Neben der Produktion der Stoffe, war es vor allem die Holzbearbeitung, in der sie es zu einer wahren Meisterschaft brachten. Die Königsstatuen etwa sind durch einen realistischen Stil geprägt, der vielen anderen Darstellungen aus Zentralafrika fehlt. Getragen wurden diese beschriebenen Reiche vor allem durch den Kongo und seine Nebenflüsse, die wie ein weitläufiges Schienennetz Waren und Nachrichten in recht schneller Geschwindigkeit von einem Ort zum anderen brachte. Im Westen des Kontinents schließlich bricht der Fluss aus sich heraus und ergießt sich in einer hohen Geschwindigkeit in den Atlantik. Unweit von dieser Stelle, befand sich das letzte Reich, das heute betrachtet werden soll: Das Königreich Kongo. Seine Anfänge liegen im 14. Jahrhundert begründet. Auch hier besagt der Mythos, dass ein Vertriebener aus dem Norden mit Namen Nimi Lukeni das Reich gründete und dabei gleich auf ein zentrales Königreich setzte. Es gab eine religiöse und eine politische Autorität, die sich in zwei unterschiedlichen Personen darstellten. König und Oberpriester waren klar voneinander unterscheidbar, aber ihre Familien waren durch Hochzeiten miteinander verbunden. Kriegerische Auseinandersetzungen zur Konsolidierung der Herrschaft und Sicherung von Handelswegen fanden durch die Expansion nach Westen statt, um die Kongomündung unter Kontrolle zu bringen. Im Ergebnis entstand durch die kriegerische Expansion ein Sklavensystem aus Kriegsgefangenen der unterlegenen Völker. Die schon von Anfang an festgelegte Zentralisierung des Königreichs wurde im Laufe der Zeit durch ein stehendes Heer und das Verbot der Vererbung von Posten ausgebaut. Auch eine eigne Währung aus Muscheln war vorhanden. Die Gesellschaft war durch soziale Schichten geprägt, etwa Adelige, Gewöhnliche, Dorfbewohner und Sklaven. Das Gesellschaftssystem beruhte auf Handel und Tausch, da es zum einen gute landwirtschaftliche Produkte, zum anderen ausgearbeitete und spezialisierte Handwerker gab, die ihre Waren durch ein Tribut- und Belohnungssystem vertrieben. Etwa zur selben Zeit, als das Königreich Kongo sich konsolidiert, also etwa um das Jahr 1300 herum, entsteht auch der Ort Mpumbu als ein großer Markt und Bezirk in der Provinz Nsundi. Dieser Ort umfasste mehrere traditionelle Dörfer und Siedlungen wie Lumeti, Luvula, Ngombe, Intambo, Mbanza, Lemba, darunter einen Ort mit Namen Insasa. In der Sprache der Teke, einem Volk, das im Königreich Kongo lebte bzw. von diesem abhängig war, bedeutet das etwa „Verkaufen auf dem kleinen Markt“. Es ist das Dorf Inshasa, das Kinshasa seinen Namen geben wird. Diesen Namen wählten die Behörden am 30. Juni 1966, um das alte Leopoldville umzubenennen. Ursprünglich war Inshasa ein Nganda, ein Lager der Teke, das sich auf der Insel Mbamu mitten im Malebo-Becken befand. Seine Bewohner zerstreuten sich infolge verschiedener Kriege. Einige ließen sich auf dem M’Fua-Plateau, dem heutigen Standort von Brazzaville, nieder, während andere zum linken Ufer auswanderten, wo sie in Mpumbu auf den Humbu-Ländern am Ufer des Flusses eine neue Siedlung gründeten. Die Einwohner wurden daher als Flussvolk bezeichnet. Bis hierin sollte klar geworden sein, dass Handel eine entscheidende Rolle bei der Gründung von Reichen im Kongo gespielt hat. Im Laufe der Frühen Neuzeit, nach dem die Europäer gelandet waren, kam ein weiterer Handel hinzu.

Die Entdeckung Amerikas 1492 änderte für die afrikanische Westküste und insbesondere die Kongo-Mündung alles. Niemand anders als der für die amerikanischen Indios kämpfende Bischof Bartholomäus de las Casa war es, der forderte, statt der armen, geschundenen Indios sei es doch wesentlich wirtschaftlicher, die stämmigen, kräftigen Afrikaner in die Neue Welt zu verschicken. Zu seiner Ehrenrettung sei gesagt, dass er diesen Vorschlag Zeit seines Lebens bereuen sollte. Aber wer konnte schon ahnen, dass es gerade dieser Vorschlag war, der auf offene Ohren stieß.

Die Frage war nur, wie man die Afrikaner aus dem Gebiet des Kongo nach Amerika bekam. Die Antwort darauf bestand im Nutzen einer jahrhundertealten Tradition die es im Kongo gab: Die Haltung von Sklaven. Dabei handelte es sich zum Teil auch um diejenigen Sklaven, die man aus der Antike kannte. Männer und Frauen, die im Krieg besiegt und erbeutet worden waren. Diese hatten gemeinhin, so weit dies einem unfreien Menschen möglich ist, ein gutes Leben. Sie konnten Geld verdienen, sich frei kaufen und sogar selber Sklaven halten. Aber auch das, was man sich heute unter Sklavenhaltung vorstellt, war vor allem an der Küste, im Königreich Kongo, verbreitet.

Dieses System konnte man für den Handel nutzen. Der christliche König Alphonso wurde nun zu einem eigenständigen Handelspartner für den Verkauf von Menschen. Zunächst wurden ausschließlich Sklaven verkauft, die bereits gefangen waren, doch der Hunger in Amerika nach neuen Sklaven war groß und so ging Alphonso dazu über, Kriege zu führen, die den Zweck hatten, Menschen zu versklaven. Für die Portugiesen bedeutete dies vor allem eines: Alphonso hatte ein Monopol und konnte den Preis bestimmen. Daher machten sie auch Geschäfte mit anderen Herrschern entlang der afrikanischen Westküste. Von den weiter oben genannten Völkern, die sich im Kongobecken niedergelassen hatten, beteiligten sich neben anderen die Teke, die Lunda und die Mpumbu an diesem Handel. Die Vorfahren zahlreicher vor allem brasilianischer Sklaven waren, so kann man also ohne Zweifel sagen, Kongolesen und der Sklavenhandel war für die Region bis in das 19. Jahrhundert hinein bestimmend. Dörfer und Reiche wurden durch diesen Handel, an dem sich zahlreiche afrikanische Völker beteiligten, menschenleer. Das diese Situation so nicht weiter gehen konnte, war allen Autoritäten klar, und dennoch passierte aufgrund zahlreicher politischer Ränkespiele nichts.

In diesem Machtvakuum erschien auf einmal eine Frau auf der Bildfläche, die über Jahrzehnte die politischen Geschicke an der Westküste Zentralfrikas lenken sollte: Königin Nzinga!

Diese Frau, nach der 2017 in Berlin eine Straße benannt werden sollte, gehört zu den interessantesten, aber auch ambivalentes den Figuren der afrikanischen Geschichte. Nzinga wurde als die Tochter eines Königs der Gola geboren, allerdings lediglich als eine Tochter einer Nebenfrau, sodass sie keinerlei Anspruch auf königliche Macht besaß.

Das hinderte sie aber nicht daran, ihren Halbbruder, den Prinzen, zu ermorden, nachdem dieser sie als Botschafterin zu den Portugiesen geschickt hatte. Dort hatte sie einiges über die Pläne der Portugiesen in ihrem Königreich in Erfahrung bringen können und war davon überzeugt, dass sie die einzige Person sei, die die Pläne der Portugiesen durchsetzen und zu ihrem eigenen Vorteil nutzen konnte.

Als die Portugiesen allerdings von diesen Plänen abrücken wollten, ging sie in Feindschaft zu den Europäern über, und probierte Allianzen mit Nachbar reichen zu schließen. Dies gelang ihr unter anderem durch die Hochzeit mit einem der Nachbarkönige, sodass sie ihr Reich um das der Ngola auch noch erweitern konnte. Mit Unterstützung diese neuen Macht, war sie bereit, den Portugiesen Widerstand zu leisten, und gilt deswegen bis heute als eine der vor Kämpferinnen gegen den europäischen Kolonialismus. Interessanterweise war sie in ihrem eigenen Volk äußerst unbeliebt. Das lag zum einen daran, das sie eine Frau war, zum anderen am fehlenden königlichen Hintergrund.

Allerdings, Überlegungen, nach dieser bedeutenden Frau eine Straße in Berlin zu benennen, sind durch eine Diskussion über diese Person zum Erliegen gekommen. Der Grund dafür war, dass der bisherige Namensträger der Straße Gustav Nachtigal zwar ein deutscher Afrikaforscher mit rassistischen Einstellungen gewesen ist, gleichzeitig aber ein vehementer Gegner der Sklaverei war. Königin in Nzinga ihrerseits war eine skrupellose Profiteurin des Sklavenhandels. Nachdem sie die Portugiesen verdrängt hatte, kooperierte sie mit den Niederländern und auch deren Haupthandelsgut waren Sklaven, die sie in zahlreichen Kriegen gegen ihren Nachbarreiche gefangen genommen hatte.

Um den Charakter dieser Frau noch ein wenig schillernder zu fassen, sei auf die erste Episode angewiesen, in der sie in den Akten der Historiker erscheint. Aus unerfindlichen Gründen hatte ihr Halbbruder sie als Gesandte zu den Portugiesen geschickt. Um auf gleicher Augenhöhe mit den europäischen Kaufleuten diskutieren zu können, ließ sie sich auf dem Rücken einer Sklavin nieder, die ihr die gesamten Verhandlungen über als Stuhl diente.

Königin Nzinga war eine rücksichtslose Regentin, die ihre Interessen mit den Interessen ihres Volkes gleichsetzte. Diese Gleichsetzung war aber keinesfalls immer glücklich. Dennoch schaffte sie es mit harter Hand 30 Jahre lang die Geschicke des Königreiches zu lenken und durch geschicktes Verhandeln mit den europäischen Mächten ihr Königreich zu einem reichen und einflussreichen Gebiet auszubauen. Als sie jedoch starb, hielt sich die Trauer ihrer Untertanen in Grenzen. Man kann davon ausgehen, dass Nzinga, wäre sie ein Mann gewesen, einen Titel wie etwa der Große oder ähnliches bekommen hätte. Ihr realpolitisches Handeln, dass ihr Reich groß und mächtig machte, hätte bei einem Mann sicherlich für Lobeshymnen gesorgt, einer Frau, die in der Tradition ihres Volkes zum Regieren ungeeignet war, wurden diese Handlungen allerdings negativ ausgelegt.

Doch Nzingas Politik blieb nur eine kurze prosporiende Episode in der Geschichte des Niedergangs des Königreichs Kongo. Im 18. Jahrhundert war das Reich in viele kleine Gebiete zerfallen, deren Herrscher zwar gerne wieder auf den Thron gelangt wären, denen dazu aber der Rückhalt fehlte. In den Quellen dieser Zeit ist deutlich zu merken, dass auch den Menschen im Königreich selber dieser Niedergang zu schaffen macht.

An keiner anderen Figur wird das so deutlich wie an Kimpa Vita, genannt Dona Beatriz. Sie war das Oberhaupt der so genannten Antonianer-Bewegung, die sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts aufmachte, die Reste dessen, was einmal das Königreich Kongo war, wiederzubeleben. Daher war es auch kein Wunder, dass sie sich mit ihrer Bewegung und der mittlerweile verlassenen Hauptstadt Mbanza niederließ. Sie selber erkor die alte Kathedrale, die im Auftrag von Henrique erbaut worden war, zu ihrem Amtssitz.

Ausgangspunkt ihrer charismatischen Bewegung war der Glaube daran, dass sie als Opfer von Gewalt durch einen Bürgerkrieg, der um das Jahr 1700 in dem ehemaligen Vorzeigekönigreich Kongo tobte, gestorben zu sein und durch die Kraft des heiligen Antonius, einem der Kirchenväter, auferstanden und von ihm besessen worden zu sein. Ihre eigenen Erfahrungen und Visionen machten sie zu einer Mystikerin, wie es sie vor ihr auf dem afrikanischen Kontinent keine gab. Für das Königreich Kongo war sie in etwa so bedeutend, wie Hildegard von Bingen für Deutschland. Anders als Hildegard aber war sie keine Nonne und lebte auch nicht nach den Geboten irgendeines Ordens. Als sie 1706 einem Kind das Leben schenkte, wurde dieser Moment der Schwäche genutzt, um sie festzusetzen und als Ketzerin verbrennen zu lassen.

VI. Katanga – das alte Shaba (Kupfer in Swahili) (arab.: Katanga):

Dieser Vortrag möchte schließen mit einem Blick zurück nach Südosten. Etwas entfernt von den Luba befindet sich die Region Katanga, was ein arabischer Name ist. Mobutu war sich dessen bewusst und so ließ er die gesamte Provinz in den 1970er Jahren umbenennen und gab ihr den Namen Shaba, was Swahili für das Metall Kupfer ist.

Der Name hatte durchaus Sinn, denn für Kupfer war die Region bekannt gewesen. Die Bewohner hatten seit dem 10. Jahrhundert Kupferrindenmünzen zum Tausch verwendet. Es ist eine Währung, die kaum weniger wert ist als das Elfenbein. Das Schmelzen von Kupfer war einer männlichen Sekte vorbehalten, die sich „Kupferfresser“ nannte. Das Symbol par excellence von Katanga war damals Kupfer. Die Kupferproduktion war saisonal (Trockenzeit für die Ernte von Malachit und dann im Oktober, Schmelzen in einem Ofen). Die auf diese Weise gewonnene Kupfermenge wurde auf plus oder minus 15 Tonnen pro Jahr geschätzt. Das Gießen erfolgte in einer kreuzförmigen Sandform; dann wurde es in Kupferdraht unterschiedlicher Dicke gestreckt und weiterverkauft.

Das Kupfer bildete die Grundlage für die einzige Münzpräge in Ostafrika während des Mittelalters. Diese stand in der ostafrikanischen Küstenstadt Kilwa. Deren Münzen wurden nicht in nur innerorts genutzt, sondern fanden auch außerhalb Verbreitung – allerdings nur wenig in Afrika selber. Münzen aus Kilwa wurden 1944 an der Nordküste Australiens entdeckt, was ihre Verbreitung im Indischen Ozean klar belegt. Doch Kilwa war nicht nur eine Kupferprägestätte, es war ein Handelplatz für unzählige Güter, vor allem für Gold aus Afrika.

Folgt man diesem Gold auf umgekehrtem Weg zurück nach Afrika, so landet man schnell in dem etwa 1500 km entfernten Groß-Simbabwe. Der Name leitet sich ab von uralten Steinhäusern, die hier ein großes Ausmaß annehmen. Über das Leben in diesen Städten wissen wir so gut wie nichts, da es an schriftlichen Zeugnissen welcher Art auch immer fehlt. Die archäologischen Funde aus Groß-Simbabwe aber zeigen uns, dass es hier eine große Kultur gegeben haben muss. Zwischen 11000 und 18000 Einwohner müssen in dieser Stadt gelebt haben. Damit ist sie die größte Stadt südlich der Sahara im vorkolonialen Afrika. Zwischen den Jahren 1300 und 1500 florierte dieser Ort, der von einem Bau auf einem Hügel dominiert wird, der von den Europäern Akropolis genannt wurde. Alle Häuser dieses Ortes, der 180 Hektar umfasst, sind ohne Mörtel zusammengebaut und halten dennoch seit knapp 800 Jahren. Der Akropolishügel wird von einer Mauer umfasst, die zwölf Meter hoch und fünf Meter dick ist. Auch über die Religion der Einwohner können wir nur soviel sagen, als dass Vögel eine besondere Rolle bei ihr gespielt haben müssen, denn in den Kultzentren finden sich auffallend viele Statuen und Reliefs dieser Tiere. Der Handel mit Gold machte die Bewohner von Groß-Simbabwe reich. Das belegen Luxusgüter wie chinesisches Porzellan oder indische Perlen. Auch in Groß-Simbabwe gab es aber arme Menschen, die außerhalb der Stadt gelebt haben müssen.

Anders als an der afrikanischen Ostküste haben wir es hier tatsächlich wohl mit einer staatlichen Struktur zu tun, dessen Zentrum die Stadt Groß-Simbabwe gewesen sein wird. Mehr als 300 kleinere Städte sind im Umkreis der Stadt ausgemacht worden, die größeren davon waren wahrscheinlich Provinzhauptstädte des Reiches.

Innerhalb des Einflussraumes von Groß-Simbabwe lagen auch die Minen, die sich heute im Hochland von Simbabwe befinden. Dort wurde ab dem 12. Jahrhundert Gold abgebaut – gelegentlich passiert dies auch noch heute. Zuständig für den Abbau des Goldes waren, so zeigen Skelettfunde in den Minen, Frauen. Der Grund dafür ist nicht bekannt. Seit dem 13. Jahrhundert floss der Erlös aus dem Verkauf dieses Metalls in den Bau der Stadt Groß-Simbabwe und des ihr zugehörigen Großreiches. Dieses umfasste etwa das Gebiet des heutigen Staates Simbabwe aber auch Teile von Botswana, dem nördlichen Südafrika sowie Teile von Mosambik.

Ein Vergleich mit arabischen Darstellung des 13. Jahrhunderts zeigt, dass es sich bei der Küstenregion Mosambiks um die kaum zu identifizierende Provinz Sofala handeln muss, die bereits im zehnten Jahrhundert als Heimat des afrikanischen Goldes ausgemacht wurde. Dieses Gold aber kann noch nicht in den Minen Groß-Simbabwes abgebaut worden und muss daher anderen Ursprungs sein. Im südlichen Afrika konnten Archäologen in der Zeit zwischen 700 und 1200 die Existenz zahlreicher größer werdender Siedlungen nachweisen. Neben Ackerbau und Viehzucht betrieben die Einwohner dieser Siedlungen auch Handel unter anderem mit Elfenbein, aber auch Eisen, Töpferware, Getreide und Vieh. Etwa ab dem Jahre 1000 sind außerdem Fernhandelsbeziehungen mit verschiedenen Gegenden am Limpopo, einem Grenzfluss im nördwestlichen Südafrika, am Sambesi, dem viertgrößten Fluss Afrikas, und Katanga belegt. Aus diesen Gebieten wurden Kupfer und Gold bezogen. Es besteht also die Möglichkeit, das Gold aus Zentralafrika über südafrikanische Händler seinen Weg an die Ostküste und so bis nach Arabien fand.

VI. Fazit

In der vorkolonialen Geschichte des Kongo spiegelt sich eine Zeit wider, in der die Gesellschaften dort als eigenständige Akteure auftreten, die Handel treiben, Krieg führen, Kunst schaffen, Reiche gründen und Geschichten erzählen. Der Kongo mag für die Europäer ein weißer Fleck gewesen sein, für die Menschen, die dort wohnten aber war der Fluss ein Handels und Kommunikationsnetz, das sie indirekt und den ein oder anderen auch direkt mit der Welt verband.

Es ist keine vergessene Welt, kein Land voller Wilder und schon gar nicht geschichtslos, wie es der Philosoph Hegel meinte. Man muss sich nur die Mühe machen zu suchen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Akademie am 10. April 2019 um 17.00 Uhr | Ingrid Bauert-Keetman: Johann Keetman ist unvergessen. Ein Elberfelder Bankier stiftet in Nambia

FREITAG, 10. APRIL, 17.00 UHR BIS CA. 18.00 UHR: SENIORENRESIDENZ LAURENTIUSPLATZ, AUER SCHULSTR. 12, JAGDZIMMER

Afrikanische Geschichte ist auch Teil der Wuppertaler Regionalgeschichte. Die in Namibia gelegene Stadt Keetmanshoop trägt den Namen eines Elberfelder Bankiers, der mit einer Stiftung 3000 Talern die Gründung dieser Stadt, die dem Kirchenkreis Wuppertal bis heute durch eine kirchliche Partnerschaft verbunden ist, veranlasste. Was waren seine Gründe und Vorstellungen, als er dort eine kleine Missionstation finanziert?
In dem Text von Ingrid Bauert-Keetman klärt sie ein wenig darüber auf. Grundlage der Veranstaltung ist ihr Text aus der Heimatkundlichen Monats-Beilage zum General-Anzeiger der Stadt Wuppertal vom Dezember 1966.

Hier geht es zum Video: Video Afrika Akademie

Akademie am 14. Februar 2019, 17.00 Uhr | Sylvia Serbin: Salou Casais – eine westafrikanische Romanze aus dem 15. Jahrhundert

FREITAG, 14. FEBRUAR, 17.00 UHR BIS CA. 18.00 UHR: SENIORENRESIDENZ LAURENTIUSPLATZ, AUER SCHULSTR. 12, JAGDZIMMER

Irgendwann im 15. Jahrhundert taucht in der westafrikanischen Stadt Goa ein französischer Adeliger auf, der mit seinem Interesse und exotischen Aussehen die Aufmerksamkeit der Elite der Stadt auf sich zieht. Er wird eingeladen und unterhält sich mit den Männern und Frauen der Stadt. Darunter trifft er Prinzessin Salou Casais, die sich in ihn verliebt. Sie heiraten, bekommen Kindern und erforschen zusammen die jeweils andere Kultur. Nach geraumer Zeit ziehen beide zusammen zu ihm nach Toulouse.
Wir wollen uns gemeinsam einer wunderschönen, unbekannten und tragischen Liebesgeschichte widmen, die die französische Journalistin Sylvia Serbin aufgeschrieben hat. Zu finden ist er in ihrem Buch „Königinnen Afrikas“ aus dem Peter Hammer Verlag.